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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

gössen. Vandamme aber hätte den besseren Weg ins Teplitzer Talvöllig offen gefunden; er konnte dort früher eintreffen, die Aus-gänge aus dem Erzgebirge sperren und über die erscheinendenMarschkolonnenspitzen der Verbündeten nacheinander herfallen. Demenergischen Herzog Eugen gelang es zum Glück, Ostermann zubestimmen, daß er sich nach Peterswalde gewaltsam Bahn brach.So konnte diese eine Kolonne wenigstens sich am 29. Vandammeim Teplitztale vorlegen, um ihn aufzuhalten und der böhmischenArmee den Austritt aus den Bergpässen zu ermöglichen.

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Der Kaiser hatte die unmittelbare Verfolgung am 27. Augustversäumt. Am 28., bei Tagesanbruch, begab er sich zu Marmont,der auf der Straße über Altenberg folgen sollte. Die ganze Armeesetzte sich in Bewegung. Mortier und St. Cyr sollten Vandammeverstärken, der bestimmt war, den Verbündeten den Rückzug zu ver-legen, während die übrige Armee sie in der Front energisch drängte.

Ein entscheidender Erfolg konnte errungen werden, wenn derKaiser selbst die Vernichtung des halb geschlagenen Feindes betrieb.Aber in dem schicksalsschweren Augenblicke trat eine ganz uner-wartete Wendung ein. Napoleon ritt nach Pirna hinüber, um dieVerhältnisse dort zu beobachten. Bald gewann er die Überzeugung,daß die Verbündeten nicht über Peterswalde, sondern mehr süd-westlich zurückgingen, Vandamme also nur wenig Kräfte vor sichfinden würde. Statt nun desto lebhafter auf Teplitz vorzugehen,um der böhmischen Armee zuvorzukommen, verlegte er die Ver-folgung mehr nach Westen uud überließ sie zugleich seinen Mar-schällen. Murat sollte über Freiberg , Marmont über Dippoldis-walde dem Feinde auf allen Wegen folgen, die er einschlagenwerde; St. Cyr erhielt die Richtung über Maxen, Mortier mit derjungen Garde nach Pirna , die alte Garde ebendahin. Der Plan,mit der Armee früher in Böhmen zu sein, als die Gegner, wardanach aufgegeben. Immerhin wäre auch durch die direkte Ver-folgung noch viel zu erreichen gewesen, wenn die Armee heftig nach-drängte und Murat die Verbündeten überholte, um ihnen in derRichtung auf Frauenstein in die linke Flanke zu fallen.

Aber die Marschälle verfolgten nur langsam und zögernd.Die Armee zeigte nach den Aufregungen und Anstrengungen derletzten Tage sichtliche Erschöpfung. Der Kaiser drängte nicht wie