Entschluß der Verbündeten zum Rückzüge
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Aber Kleinmut und Not herrschten im Lager der Verbündeten,freilich auch Mangel an Munition und Lebensmitteln. Der Rück-zug wurde endgültig beschlossen. Da Schwarzenberg wohl einsah,daß er nun auch bis nach Böhmen sortgesetzt werden müsse, so er-teilte er sofort die nötigen Befehle hierzu.
Barclay wurde mit allen russischen und preußischen Truppenauf die Straße über Dohna und Peterswalde nach Teplitz verwiesen,die man trotz der Bedrohung durch Vandamme nicht entbehrenkonnte. Die Österreicher sollten in zwei Kolonnen, nämlich dieöstlich der Weißeritz stehenden über Dippoldiswalde, Altenberg aufDux und die westlich der Weißeritz verwendeten über Freiberg aufKomotau abmarschieren. Abends ging die böhmische Armee so weitzurück, als es nötig war, um den Kampf abzubrechen.
Wittgenstein blieb ans den Höhen von Leubnitz stehen, umden Rückzug zu decken — bei ihm auch eine Brigade von KleistsKorps.
Der Gesamtverlust in der zweitägigen Schlacht ist auf 25 000Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen zu veranschlagen.
Der Rückzug begann noch in der Nacht. Die östliche Kolonneder Österreicher setzte sich auf Dippoldiswalde in Bewegung. Sieerreichte mit den Hauptkräften am 28. Altenberg ; denn sie sandihre Straße noch srei. Anders stand es auf den Flügeln. DieFreiberger Straße war in der Gewalt des Feindes. Klenau,der dort den Befehl führte, bog daher südlich über Pretschen-dorf aus und gelangte, an den nächsten Kämpfen unbeteiligt, am30. nach Marienberg . Die Teplitzer Straße war von den Fran-zosen noch nicht besetzt, wohl aber vom Kohlberge aus bedroht. OhneKampf konnte sie nicht passiert werden. Barclay, der den Rückzugdes rechten Flügels einheitlich leitete, hielt sie für unbenutzbar. Erwollte westlich ausbiegen und ließ Kleist auf Glashütte und Maxen,die preußisch-russischen Reserven, gefolgt von Wittgenstein, aufDippoldiswalde marschieren, wo sie sich mit den Österreichernmischten. Selbst dem General Graf Ostermann, der mit einerrussischen Gardedivision zu Herzog Eugen nach Zehista geschicktworden war und dort befehligte, wurde es freigestellt, gleichfallsüber Maxen zu marschieren.
Wären diese Anordnungen wörtlich durchgeführt worden, sohätte sich ein Heeresstrom von 120000 Mann auf die enge, schlechte,vom Regen tief aufgeweichte Bergstraße über Dippoldiswalde er-