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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Aber sie erschienen, da Macdonald nicht eingriff, Stockungen undVerwirrung vorkamen, vereinzelt nacheinander auf der Höhe undwurden geschlagen.

Als das Kavalleriekorps und der größere Teil der Infanterieerst die Katzbach, dann die Neiße mühsam überschritten hatten undsich aus der Höhe entwickelten, hielt Blücher den Augenblick für ge-kommen, über den Feind herzufallen. Der Stoß gelang vollkommen.Die Franzosen sahen sich von dem überlegenen Korps Aorck bei Bell-witzhof in der Front heftig angegriffen, von Sacken über Eichholzin der linken Flanke gefaßt und wurden geworfen. Ein Angriffder gesamten russischen Kavallerie, die bis in den Rücken derFranzosen vordrang, vervollständigte den Sieg. Nur die 9. Division,welche als Reserve hatte dienen sollen und zwar die Katzbach, abernoch nicht die Wütende Neiße überschritten hatte, bewahrte einigeOrdnung. Die beiden anderen Divisionen des 3. Korps trafen,weiter östlich von Liegnitz her, verspätet ein, als schon alles ent-schieden war. Sie überschritten zwar noch die Katzbach bei Schmoch-witz, wagten aber keinen Angriff mehr, sondern gingen gleichfalls zurück.

Die Niederlage der Boberarmee war zwar keine allgemeine;denn nur Teile hatten gefochten. Aber sie war dennoch empfind-licher und wurde noch schwerer durch die sich anknüpfende Ver-folgung. Der Regen strömte seit dem Morgen des Schlachttagesununterbrochen vom Himmel herab und verwandelte selbst kleineWasserläufe in reißende Flüsse. Schon beim Vordringen warder Übergang der französischen Kolonnen ein schwieriger gewesen;das Zurückgehen wurde verhängnisvoll. Menschen und Pserdekamen in den wirbelnden Fluten um; die Unordnung wurde all-gemein. Wege und Äcker weichten tief auf und hinderten dasFortkommen. Blücher hatte noch am Abend des Schlachttages diekräftige Verfolgung des geschlagenen Feindes über die Katzbach be-fohlen. Das geschieht regelmäßig. Die Ausführung ist selten. DerAnspannung aller Kräfte vor dem Siege Pflegt eine Erschöpfungund vorübergehende Tatenunlust zu folgen.

Hier war es anders. Unausgesetzt trieben Blücher und Gneisenaudie Truppen an.Es ist nicht genug zu siegen, man muß auchden Sieg zu benutzen wissen. Gehen wir dem Feind nicht auf denLeib, so steht er natürlich wieder, und wir müssen durch eine neueSchlacht erreichen, was wir aus dieser erhalten können, wenn wirmit Energie verfahren."