Blücher fällt über die Franzosen her
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Sie erreichten nicht so viel, als sie gewollt hatten, aber dochgenug, um dem Feinde gewaltige Verluste beizubringen. Hier wares, wo General v. Katzeler, der unermüdliche Avantgardenführerder schlesischen Armee, zuerst seinen hohen Ruf begründete.
Die angeschwollenen Gewässer wurden freilich auch der Ver-folgung sehr hinderlich; für Macdonalds Rückzug aber waren siegeradezu verderblich. Alles, was die vielfach verstopften Brückennicht erreichen konnte, fiel dem Feinde in die Hände oder ertrankbeim Suchen nach einem Übergange.
Die Gefechtsverluste der schlesischen Armee sind nicht genanbekannt; sie waren im Vergleich mit den glänzenden Erfolgen derSchlacht jedenfalls nur gering. Die Marschverluste jedoch steigertensich so, daß die Armee am 1. September kaum noch kampffähig war.
Macdonalds Rückzug ging auf Löwenberg und Bunzlau hinterden Bober. Sein Heer befand sich in traurigster Verfassung.Die Soldaten begannen sich zu zerstreuen; sie scheuten die Ge-fangennahme nicht mehr. Die ganze Schwierigkeit, mit einer neuaufgestellten, für den Krieg nicht vorbereiteten Armee unter solchenUmständen wie hier zu fechten, trat deutlich hervor. Die Klagender französischen Generale sind dieselben, wie sie sich 1870/71 beiden Mobilgarden an der Loire und in den Tagen von Le Mansvernehmen ließen.
Die vor der Schlacht entsendete Division Puthod hatte denVersuch gemacht, über Hirschberg die Armee wieder zu erreichen,konnte dort den angeschwollenen Bober aber nicht überschreitenund suchte abwärts nach einem Übergange. So traf sie am29. August bei Löwenberg am rechten Ufer ein, als die Gewässerdort bereits die Brücke fortgerissen hatten, von Goldberg her aberdas Korps Langeron herankam. Von diesem umringt, die Waffen-streckung verweigernd, fand sie einen ehrenvollen Untergang. Wasnicht getötet oder gefangen genommen wurde, ertrank in den Flutendes Bober. Von der ursprünglich nahe an 12 000 Mann starkenDivision kehrten nur 2S0 Versprengte zur Armee zurück.
Am 31. August ging Macdonald an den Queis und in derfolgenden Nacht bis hinter Görlitz zurück. Seine Armee war vorerstnicht mehr verwendbar.
Blücher folgte an und über den Queis . Dort erst machte eram 1. September einen Ruhetag. 103 Kanonen, 250 Munitions-wagen, 18000 Gefangene waren die Frucht seines Sieges. Unter