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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Von den Generalen der Nordarmee drängte freilich Bülowschon jetzt zum Elbübergange; doch widerstrebte der Kronprinz vonSchweden, so lange nicht Napoleons Absichten am rechten Elbufergeklärt waren. Neue französische Truppenversammlungen bei Großen-hain, wo Murat den Oberbefehl übernahm, ließen ihn an einendurch den Kaiser selbst geführten Vorstoß gegen Berlin denken.Er stellte sich daher südlich Jüterbog mit dem rechten Flügel vorWittenberg, mit dem linken bei Luckau abwartend auf.

Streifkorps unter Tschernitscheff und Marwitz überschrittendie Elbe, um die Verbindungen der großen Armee zu beunruhigenund das Land in ihrem Rücken zur Erhebung zu bringen. DieBelagerung von Wittenberg , dessen Besitz Bernadotte für notwendighielt, ehe er Weiteres unternahm, wurde eingeleitet. Bülow erhieltden Auftrag dazu. Tauentzien sollte Torgau beobachten, die Elbe bei Elster, Roslau und Wen überbrückt werden. Vom linkenFlügel aus wurde die Verbindung mit der schlesischen Armee her-gestellt, die wieder bis Bautzen vorgedrungen war. Ein gemein-sames Handeln beider Heere, die den Kern der preußischen Machtin sich schlössen, stand damit in Aussicht; die Entscheidung rücktenäher.

Bülow machte sich ungern an seine Aufgabe. Am 24. Sep-tember ließ er freilich die Vorstädte von Wittenberg stürmen, inden nächsten Tagen auch wiederholt die Stadt beschießen; alleinzur Wegnahme kam es nicht, und die Annäherung der schlesischenArmee, sowie der Beschluß zum Elbübergange beider Heere ändertendie Lage. Bülow ließ nur den General v. Thümen vor Witten-berg zurück und folgte am 4. Oktober der Bewegung der Nord-armee nach Roslau.

Die drei Brücken wurden bis zum 24. September fertig, er-hielten Brückenköpfe zu ihrem Schutze, und kleine Abteilungen be-setzten die nächstgelegenen Orte am linken Ufer. Ney rührte sich nicht.

Am 25. September hatte mittlerweile Marwitz, der sichbei Hagelberg als Führer hervorgetan, Braunschweig überfallen.Tschernitscheff verjagte am 28. den König Jervme aus Kassel .Zwar mußte er die Stadt vor anrückenden westfälischen Truppenwieder räumen, aber durch Überläufer und genommene Geschützeverstärkt und von den Einwohnern unterstützt, kehrte er zurück,vertrieb die Gegner und hielt am 1. Oktober unter dem Jubelder Bevölkerung erneut einen Einzug. Er erklärte das König -