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Geschütz den Abhang des Erzgebirges hinunter zu bringen, schreckteihn ab. Langsam zog er daher seine Truppen gegen Dresden zurück. Nur St. Cyr , dem auch das wieder gesammelte 1. Korps,Lobau, unterstellt wurde, blieb auf dem Gebirgskamm stehen.Napoleon selbst ging am 11. nach Pirna, tags darauf nach Dresden zurück, wo er sich neuerdings mit dem Plane eines Zuges nachBerlin beschäftigte. Noch einmal, am 15. September, kehrte er in-dessen um, als Wittgenstein über Nollendorf vorging und die fran-zösischen Vortruppen zurückwarf. Die Nachricht vom Siege vonDennewitz war bei den Verbündeten eingetroffen, und Wittgensteinhatte feststellen sollen, ob der Kaiser sich nicht infolgedessen schonauf dem Rückzüge zur Saale befände. Ihn trieb Napoleon nunwieder in die Ebene hinab bis nach Kulm, wo Schwarzeuberg jetztsein Heer zusammenrief und der Verfolgung am 17. Septemberdurch das Eingreifen der Österreicher gegen die linke Flanke derFranzosen Einhalt tat. Am 18. erkundete der Kaiser persönlichSchwarzenbergs Stellung. Er beobachtete die böhmische Armeelängere Zeit, sah, daß sie sich noch verstärkte und nahm abermalsvom Angriff Abstand. Abends schlug er sein Hauptquartier inPirna auf, zog die Armee nach Dresden und St. Cyr mit Lobauin die den Platz deckenden Stellungen heran.
So wogten hier die Truppen unter Gefechten hin und her,ohne daß es zu einer ernsten Entscheidung mit der ganzen Kraftkam. Dennoch legten ihnen diese Tage ebenso große Anstrengungenauf, wie die gewaltigen Schläge, die Napoleon früher geführt.Mehr und mehr verzehrten sie sich, und sie waren von den Quellenihrer Kraft weiter entfernt, als die Verbündeten. Zudem begannes auf dem sächsischen Kriegstheater, das seit Beginn des Feldzugesunausgesetzt starke Heere beherbergt hatte, bedenklich an Lebens-mitteln zu fehlen. „Die Armee ist nicht mehr ernährt. Es wäreeine Täuschung, die Dinge anders sehen zu wollen," klagte derKaiser. Seine Lage verschlechterte sich zusehends. Die Vortruppeuder Verbündeten wurden immer kühner. So überfielen die Öster-reicher in der Nacht vom 17. zum 18. September Freiberg , wofast kein Mann der Besatzung entkam.
Düstere Ahnungen über den Ausgang des Feldzuges be-herrschten ihn seit einiger Zeit. „Generale und Offiziere, vomKriege ermüdet, haben nicht mehr den Schwung, der sie großeTaten vollbringen ließe. Der Kaiser ist überall dort Sieger, wo