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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

er anwesend ist; aber er kann nicht überall sein, und die Führer,die selbständig kommandieren, entsprechen selten seinen Erwartungen,"so befahl er, unter dem Eindruck der Niederlage von Dennewitz ,dem Kriegsminister zu schreiben. Seine Lage erinnert an Hannibals Geschick, dessen Unterfeldherren die Römer planmäßig angriffen undschlugen, bis er selbst erlag.

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Inzwischen hatte Blücher am 13. September früh ein Schreibendes Kaisers Alexander mit dem erneuten Verlangen, sich derböhmischen Armee anzuschließen, erhalten. Rein militärisch ge-nommen, erschien diese Vereinigung durchaus vorteilhaft.

Dennoch entsprach der Vorschlag Blüchers Wünschen durchausnicht. Er kannte nur zu genau die endlosen Rücksichten und Be-denken, von denen jede Entscheidung im großen Hauptquartier derMonarchen abhing, und wußte, welch ein schleppender Gang derKriegführung sich daraus ergab. Er fürchtete mit Recht dieFesseln, die man ihm dort anlegen werde. Leidenschaftlich bat erdarum, ihm seine Freiheit und Selbständigkeit zu lassen.Umdes allgemeinen wohl und Besten," schrieb er an den, den KönigFriedrich Wilhelm HI. beratenden General Knesebeck ,bewahrensi mich vor einer Vereinigung mit der großen armeh." Oft istdie Kenntnis der persönlichen Verhältnisse im Kriege ebenso wichtigund nützlich, als strategische Weisheit.

Blücher und Gneisenau wollten aber mehr tun, als nur versagen.Sie dachten groß genug, um sich, der gemeinsamen Sache zu nutz, in dieWünsche und Eigentümlichkeiten anderer zu fügen. Wohl war ihnenklar, daß der Kronprinz von Schweden sich zum Elbübergange nurdann entschließen würde, wenn die schlesische Armee in unmittel-barer Verbindung mit ihm daran teilnahm. Sie faßten daher denRechtsabmarsch ins Auge, so sehr der Umweg und der Zeitverlustihnen auch sonst zuwider waren. Dem Rechtsabmarsche sollte sogleichder Elbübergang folgen und dieser die Nordarmee mit fortreißen.Zuvor aber mußte noch mit den bei Großenhain stehenden feind-lichen Kräften abgerechnet werden, die jetzt der König von Neapelbefehligte. Dazu gedachte Blücher sich Tauentziens Mitwirkung zusichern und trat mit ihm in Verbindung. Der gemeinsame An-griff wurde auf den 24. September festgesetzt, aber zwei Tage zu-vor schon lief die Nachricht ein, daß das Heer Murats nach Dresden