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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Blüchers Entschluß zum Rechtsabmarsch

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abberufen worden sei. Zugleich erschien auch der Kaiser wiedervor der schlesischen Armee.

Napoleon hatte in Pirna den dritten Vorstoß gegen Blüchergeplant. Im Augenblicke standen Murat und Marmont beiGroßenhain , Macdonald mit seiner Armee nahe nordwestlich vonStolpen, Poniatowski zn seiner Rechten bei Lohmen , die Gardenunter Mortier bei Pirna . St. Chr und Victor hielten noch diePässe des Erzgebirges und Freiberg. Leipzig war mit 10000Mann besetzt, und die Kavalleriedivision Lefebvre-Desnouettes hieltvon Döbeln aus die Verbindungen nach Dresden offen. Dorthatte der österreichische Oberst Mensdorff bisher den Verkehr ge-stört, während General Thielmann an der Saale streifte, fran-zösische Kavallerie bei Zeitz geschlagen hatte und Naumburg undMerseburg nahm, wo 1800 Mann Besatzung das Gewehr vorihm streckten.

Am 19. und 20. September herrschte indes wieder Regen-wetter, und der Kaiser verschob die Operation. Das war frühernicht seine Art gewesen. Die Regentage im Oktober 1805 hattendie Märsche seiner Armee nach Ulm nicht verlangsamt. Er dachtedaran, die ganze Armee uin Dresden und Meißen zu versammelt?und ihr die dringend erforderliche Ruhe zu gewähren, währendNey die Elbe von Magdeburg bis Torgau bewachte. Aber Blücherwar zu nahe, um ihn ungestört zu lassen. Seine Vortruppenhatten Bischofswerda besetzt. Sie mußten vertrieben werden, damites möglich wurde, zu erkennen, wo die Hauptkräfte stünden. Mac-donald meldete den Abmarsch von Teilen der schlesischen Armeenach rechts gegen die Elbe . Auf eine Schlacht gegen die schlesischeArmee wagte der Kaiser nicht mehr zu hoffen. Blücher hatte sichihm zweimal mit Geschick entzogen. Es wäre vermessen gewesen,anzunehmen, daß er das drittemal in die Falle ging.

Am 21. September abends war der Kaiser wieder nach Dresden gekommen, am 22. früh 2 Uhr erhielt Macdonald den Befehl, mitseinen drei Korps vorzugehen. Mittags traf Napoleon selbst auf demGefechtsfelde ein und begab sich auf den Kapellenberg bei Schmiedefeld südwestlich Bischofswerda . Wieder machte sein Erscheinen sich fühlbar.Blüchers Vortruppen, von Katzeler geführt, wurden zurückgeworfen undBischofswerda nach lebhaftem Kampfe genommen. Das Nachdrängender Franzosen aus der Stadt heraus verhinderte die preußischeArtillerie. Am 23. setzte der Kaiser die Offensive noch fort.

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