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IV. Die Befreiungskriege
Katzeler wich über Noth-Naußlitz, nordöstlich Bischofswerda , zurückund benutzte dann einen günstigen Augenblick, um mit seinerKavallerie über die unvorsichtig folgenden Franzosen herzufallen.10 Offiziere und 320 Mann an Gefangenen waren das Ergebnisdes kühnen Angriffs. Am Abend wurde Gödau erfolgreich gehalten.Mit der Hauptmacht war Blücher bei Bautzen hinter die Spreein eine starke Stellung zurückgegangen. Dort wartete er am24. September festen Fußes auf seinen Gegner. Er hätte dieSchlacht angenommen, die Napoleon zuvor so sehr ersehnt hatte.Aber dieser ergriff jetzt die Gelegenheit nicht mehr. Er warunsicher geworden. In der Nacht hatte er außerdem eineMeldung Neys aus Düben erhalten, daß der Elbübergang derNordarmee bevorstünde, und schon beherrschte ihn der Entschluß,das rechte Elbufer aufzugeben. Freilich wollte er noch eine großeZahl von Brücken zwischen dem Königstein und Meißen in derHand behalten und durch Verschanzungen schützen. Am 24. be-gann der Rückzug auf Dresden , den Macdonald zu decken hatte.Dort wollte sich der Kaiser auf die Lauer legen, um über denFeind herzufallen, wenn er irgendwo zum Angriff vorginge. AmAbend kehrte er nach Dresden zurück. Er fand sich mehr undmehr in die Rolle des abwartenden Verteidigers hinein, dem derFeind das Gesetz des Handelns gab.
Die nächsten Tage vergingen über organisatorischen Maß-nahmen und weitausschauenden Vorbereitungen für die fernereVerteidigung seiner Stellungen in Deutschland . Am 27. Septembererließ er ein Dekret über die Aushebung von 120000 Mann derJahrgänge von 1812, 1811 und 1810, sowie von 160000 Mannder Konskription von 1815. Er wies dabei auf das BeispielPreußens hin, in dem er längst seinen gefährlichsten Gegner erkannthatte. Auch die Einleitungen für einen möglichen Rückzug hinterdie Saale , sowie für die Sicherung der rückwärtigen Verbindungenwurden geordnet.
Am 1. Oktober erfuhr Napoleon , daß die böhmische Armeelinks abzumarschieren beginne. Dies erfüllte ihn mit der Hoffnung,daß er sie werde erreichen können, ohne die schwierigen Pässe desErzgebirges durchschreiten zu müssen. Der König von Neapel mußtenach Freiberg gehen und dort den einheitlichen Befehl über alleauf der Südfront zunächst zu vereinigenden Heerteile zu über-nehmen. Er war bestimmt, den Angriff einzuleiten.