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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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Napoleon abwartend bei Dresden 325

Dann aber trat eine Überraschung ein, die alles wieder überden Haufen warf.

Der Kaiser hatte Blücher aus dem Auge verloren. Diesererhielt noch am 24. abends durch Katzeler die sichere Nachricht vondes Kaisers Rückkehr nach Dresden und besetzte sofort die altenStellungen von Harthau und Bischofswerda von neuem. Weitervorzugehen widerriet Gneisenau.

Abermals drohte ein Stillstand. Bei der großen Armee ent-warf man noch immer Pläne und kam nicht zum Schlüsse. DerKronprinz von Schweden trieb sich nach seinen beiden Siegenzwischen Elbe und Nuthe umher. Er operierte, nach einem WorteTauentziens,daß es Gottes Wille sein mußte, daß die Sachennoch so gut stehen." Mit wachsender Ungeduld wartete das Volkauf den entscheidenden Schlag, der nach so vielen Opfern dochyndlich jetzt fallen mußte.

Blücher hatte bisher seinen Ruf als kluger und entschlossenerTruppenführer begründet. Ihm gelang dreimal die schwere Auf-gabe, rechtzeitig zu erkennen, daß der Feind überlegen und derAugenblick gekommen sei, vor ihm auszuweichen. Dreimal hatteer das noch schwierigere Problem gelöst, sofort herauszufühlen,wenn der Feind sich ihm gegenüber schwäche und war wieder vor-gegangen.

Die entscheidende Wendung

Der Llbübergang und das Treffen von ZVartenburgam 3. Oktober

(S. Skizze 35)

Wir wollen die Szene eröffnen und die Hauptrolle über-nehmen, da die anderen es nicht wollen," schrieb Gneisenau da-mals und so geschah es. Die Entscheidung gegen Napoleon sollte jenseits des Stromes fallen. Tauentzien und Bülow hoffteBlücher jedenfalls mit sich fortzureißen, wenn der Kronprinz vonSchweden auch noch widerstrebte. Im Bunde mit diesen beidenGeneralen hoffte der Alte im Notfalle feinem großen Gegner ge-wachsen zu sein. Das erregte in einem Teile seiner Umgebung dieäußersten Bedenken. Von russischer Seite wurde über das ge-wagte Unternehmen ein Kriegsrat verlangt, den Blücher schroffzurückwies. Mit denSicherheitskommissaren" hatte er eine