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IV. Die Befreiungskriege
„Teufelsarbeit". Aber er blieb fest, wenn er sich auch die Gefahrdes Unternehmens nicht verhehlte. Er „bewährte hier die großenFührereigenschaften, die ihn auszeichneten, den richtigen Blick fürdie Verhältnisse im Großen, die unwandelbare Festigkeit desCharakters, die kühne und großartige Gleichgültigkeit in Beziehungauf alles, was persönliche Verantwortung und überhaupt seinepersönlichen Verhältnisse betraf."
Am 26. September begann die schlesische Armee ihren Marschauf Elsterwerda , während 9500 Mann vom Langeronschen Korpsunter Schtscherbatow zur Deckung Schlesiens zurückblieben. Erverlief für die Hauptkräfte ungestört, da Napoleon auf den Besitzdes rechten Elbufers keinen Wert mehr legte. Nur das links hinaus-geschobene Korps Sacken stieß bei Großenhain und Meißen aufdie Franzosen uud hatte hier am 28. September ein lebhafteresGefecht zu bestehen. Als Übergangspunkt war anfangs Mühlbergausersehen, wo Tauentzien früher Vorbereitungen getroffen hatte,ein alter Brückenkopf auch noch vorhanden und die Bewachungdurch den Feind schwach war.
Da ließ der Kronprinz durch den von Blücher vorausgesandtenGeneralstabsoffizier, Major v. Rühle, der sich bei ihm meldete, er-klären, daß auch er jetzt zum Elbübergange bereit wäre und sogarmit Blücher vereint auf Leipzig vorgehen wolle, um die ent-scheidende Schlacht gegen den größeren Teil von des Kaisers Streit-kräften zu suchen. Dies gebot, sich ihm mehr zu nähern, um gleichnach dem Übergange gemeinsam mit ihm handeln zu können. DerMarsch wurde also zur Elstermündung fortgesetzt, um dort über-zugehen. Dem stimmten auch die Monarchen zu. Die böhmischeArmee sollte ebenfalls aufbrechen und in das westliche Sachseneinfallen. Wir wissen, daß sie den Marsch bereits angetreten hatte.Jetzt kam alles in Bewegung. Wieder zeigte sich, daß in solchenkritischen Lagen immer nur der Mann fehlt, der den ersten ent-scheidenden Entschluß faßt, um die allgemeine Erlösung aus den herr-schenden Zweifeln zu bringen. Frischen Muts und mit frohemVertrauen auf das Gelingen ging Blücher an den Elbübergang,um — wie er seiner treuen Lebensgefährtin schrieb — „demHerren Napoleon bey die Ohren zu kriegen".
Hinter der Elbe hatte Ney mit dem Korps Bertrand beiKemberg und Wartenburg, mit dem Korps Reynier bei Oranien-baum und Wörlitz östlich von Dessau gestanden. Auf die ersten