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IV. Die Befreiungskriege
Durch die ersten Übergangsversuche aufmerksam gemacht, hatteMarschall Ney bis zum 2. Oktober das ganze Korps Bertrand bisWartenburg vorgeschoben, und dieses, 14 000 Mann mit 32 Ge-schützen, erwartete die Ankömmlinge in der starken Stellung. Zuerstging das Korps Jorck über. Drüben wurde es lebendig. Baldwar es den vordersten preußischen Truppen klar, daß sie mehrFeinde vor sich hatten, als sie vermutet. Die Bewegung wurde ein-gestellt, um stärkere Kräfte herankommen zu lassen. Beim erneutenVordringen stellte sich sodann heraus, daß Wartenburg auf demgeraden Wege durch verwachsenes Buschwerk, Gehölz und moorigeWassergräben nicht zu erreichen sei, sondern nur über das südlichgelegene Bleddin, wo sich die französische Stellung wieder der Elbe anschloß. Erst um 2 Uhr nachmittags konnte dieses von derwürttembergischen Division Franquemont verteidigte Dorf nachhartem Kampfe durch Herzog Karl von Mecklenburg genommenwerden. Unter unsäglichen Mühen gelang es auch, Geschütz undKavallerie dort vorzubringen, die geworfenen Württemberger zuüberraschen, ihre Artillerie zu erobern und sie nach großem Verlustin Verwirrung vom Kampfplatze zu vertreiben.
Etwa zu derselben Zeit ging es auch in der Front vorwärts,wo der Kampf solange gestanden hatte und die Franzosen sogareinen Vorstoß mit starken Kräften unternahmen. Als BertrandKlarheit über die Vorgänge bei Bleddin gewonnen hatte, beganner seine Truppen zurückzuziehen und das nunmehr umgangene undunhaltbar gewordene Wartenburg zu räumen. Sein Rückzug folgtedem Südufer der Elbe, wo er noch einige Verluste durch Geschützedes Bülowschen Korps erlitt, die vom Nordufer über den Stromfeuerten. Auch die über Bleddin vorgedrungene Reiterei griff ihnnoch mit Erfolg an. Dorcks stegreiche Bataillone besetzten Warten-burg . Die Russen waren inzwischen über die Brücken bei Elstergefolgt. Auch Sacken wurde herangezogen.
Der Elbübergang war erzwungen, ein schöner Erfolg vomJorckschen Korps, freilich unter schweren Opfern errungen. 67 Offi-ziere, IS48 Mann betrug sein Verlust; 1000 Gefangene und11 Kanonen, sowie 70 Munitions- und andere Fahrzeuge warenin seinen Händen geblieben. Bei der Armut Preußens an Kriegs-material war jede Beute solcher Art von Wert.
Aber nicht in dieser unmittelbaren Siegesernte war die Be-deutung des Tages von Wartenburg zu suchen, sondern in seiner