Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
333
Einzelbild herunterladen
 

Napoleon wendet sich gegen Blücher

333

Äußersten nicht mehr wieder. Zu viele Unfälle hatten sein Heerin diesem Feldzuge betroffen, und wenn auch das Vertrauen zureigenen Kraft aus seiner Seele nicht gewichen war, so begann dochdas Vertrauen zu dem Werkzeug zu fehlen, das er führte.

Wohl stand sein Plan sogleich fest. Eine Lage, wie sie sichnach dem Elbübergange der Verbündeten herausstellte, hatte er sichlängst gewünscht. Jetzt konnte ihm Blücher nicht mehr mit dergleichen Leichtigkeit ausweichen, wie vordem in Schlesien . Auf ihnalso wollte er sich werfen. Aber er vermochte sich nach anfäng-lichem Schwanken nicht zu entschließen, alle seine Feldtruppen ausDresden herauszuziehen und dessen Behauptung seiner Besatzungallein anzuvertrauen. Der Platz begann für ihn an Bedeutung zuverlieren, jedoch sein Eigenwillen und sein Jmperatorenstolz sträubtensich dagegen, irgend etwas aufzugeben, auf das er einmal seineHand gelegt hatte. Er mochte mit dem Verlust der Elblinie über-haupt nicht rechnen. Das 1. und 14. Korps blieben schließlichunter St. Cyr bei Dresden zurück, obschon er in der Nacht vom6. zum 7. diesem selber gesagt hatte:Sicherlich werde ich eineSchlacht haben; gewinne ich sie und hätte ich nicht alle meineTruppen bei der Hand, so würde ich es bereuen. Erleide ich eineNiederlage und lasse Sie hier, so nützten Sie mir nichts in derSchlacht, und sie würden, ohne Hilfsquellen, verloren sein." Um40 000 Mann schwächer, als es hätte geschehen können, unternahmer also den neuen Zug.

In der Nacht vom 4. zum 5. Oktober hatte er die erste Kundevon dem bei Wartenburg Vorgefallenen durch Marmont erhalten,und am frühen Morgen des 5. leitete er den Stoß gegen dieschlesische Armee ein. Tags darauf war alles in Bewegung,Napoleons erstes Ziel Würzen. Die gegen die böhmische Armeezurückbleibenden Kräfte des Königs von Neapel sollten sich südöst-lich von Leipzig in der Gegend von Frohburg, Rochlitz und Mitt-weida zusammenziehen.So werde ich Herr sein, zu tun, was ichwill. Von Würzen kann ich mich gegen Torgau oder gegen denFeind wenden, der über Wittenberg vorgedrungen ist, oder ich kannmeine ganze Armee nach Leipzig zusammenziehen und dort eine all-gemeine Schlacht haben," schrieb der Kaiser für sich selber nieder.

Das war die klare und einfache Art, über seine Kräfte zuverfügen, wie in den Jahren seiner besten Feldzüge noch dachteer auch daran, alle Dresdener Truppen nach Würzen heranzuholen.