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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Z40 IV. Die Befreiungskriege

nach und nach anwachsende Kavalleriemassen mit Artillerie in denKampf, und es entspann sich ein achtstündiges hin und her wogendesNeitergefecht das von Liebertwolkwitz, das größte des ganzenFeldzuges. Auf jeder Seite traten etwa 8000 Mann in denKampf. Dann ging Murat auch mit seiner Infanterie den Ver-bündeten entgegen. Der Angriff kam aber bald zum Stehen, daer bereits auf überlegene Streitkräfte der Feinde stieß. Liebert-wolkwitz wurde genommen und wieder genominen. Endlich räumtenes auf Klenaus Befehl bei Einbruch der Dunkelheit die Österreicher,die es zuletzt behauptet hatten. Am Abend standen die Gegnernach einem Verluste von je 2000 Mann einander wieder wie amMorgen gegenüber, d. h. die Franzosen hinter den deckenden Höhenvon Markkleeberg, Wachau und Liebertwolkwitz , die Verbündetenin der Linie Seifertshayn, Groß-Pößna, Güldengossa und Cröbern.Zwecklos war der Kampf begonnen und durchgeführt worden. ZurNacht ritt der Kaiser uach Reudnitz , das damals noch außerhalbder Stadt Leipzig lag.

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Am 15. Oktober ordnete er, von Murat begleitet, seine Sreit-kräfte und stellte die ankommenden Truppen in Schlachtordnung.

Südöstlich Leipzig blieb Murats Heer, dort, wo es am Tagezuvor gefochten hatte, stehen. Es bildete etwa 10 Kilometer vonder alten Stadt entfernt einen flachen Halbkreis um diese her: das8. Korps, Poniatowski, nebst dem 4. Kavalleriekorps, rechts beiMarkkleeberg, an die Pleiße gelehnt, links daneben bei Wachau das2. Korps, Victor, und noch weiter östlich das 5., Lauriston. Dahinterbei Holtzhausen war jetzt schon das 9. Korps, Augereau, mit dem5. Kavalleriekorps als erster Rückhalt eingetroffen. Bei Reudnitz standen die Garden zum Eingreifen bereit. Diese Truppenmasse,zusammen noch 96 000 Mann mit 367 Geschützen, bildete denKern der gesamten Gruppierung um Leipzig und das Werkzeugzum ersten großen Schlage in des Kaisers Hand. Dieser glaubtenoch am 15. Oktober abends die Nord- und die schlesische Armeehinter der Elbe und Saale und hatte den Entschluß gefaßt, am16. Oktober die vermeintlich vereinsamte böhmische Armee anzu-greifen.

Die übrigen von der Mittelelbe zurückgekehrten Kräfte wurdenbestimmt, die beiden anderen feindlichen Heere inzwischen fernzuhalten.