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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Allgemeiner Angriff der Verbündeten

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stand, daß er nicht mehr vorwärts kam. Napoleon , der auf dieBehauptung seines rechten Flügels an der Pleiße begreiflicherweisehohen Wert legte, sandte eine Division der jungen Garde unterOudinot dorthin, und die Franzosen gingen nun sogar zum An-griff über. Das veranlaßte Schwarzenberg, nicht allein zwei russischeGardedivisionen zu des Prinzen Unterstützung abzusenden, sondernauch Gyulai nach Cröbern heranzurufen. Dessen Stellung beiKlein-Zschocher hatte Bertrand, begünstigt durch den in den Morgen-stunden herrschenden Nebel, soeben durchbrochen. Auf diese Artwurde Napoleons einzige Rückzugslinie über Lindenau wieder frei.Bei Cröbern kam Gyulai nicht mehr zur Verwendung, da derKampf eine günstigere Wendung genommen hatte, wenngleich erohne Entscheidung noch den Tag über fortdauerte. Wenig mehrals 20 000 Franzosen behaupteten sich auf dem rechten Flügel derSchlachtstellung gegen die Übermacht der Verbündeten.

Inzwischen fand Barclay Liebertwolkwitz und Wachau vonden Franzosen geräumt, dafür aber das von festen Lehmmauernumgebene Probstheida zur hartnäckigsten Verteidigung eingerichtet.Auf den umgebenden Höhen war eine starke französische Artillerievereinigt, die den Dorfrand zum Teil durch seitliches Feuer zuschützen vermochte. Eine Gardedivision war herangerückt, umdiese Artillerie zu decken und den Rückhalt für den rechten Flügelzu bilden. Barclay entschloß sich, erst dann anzugreifen, wenn dieTruppen rechts und links auf die gleiche Höhe mit den seinen ge-kommen wären. Um 2 Uhr nachmittags erhielt er jedoch, wie esscheint von Kaiser Alexander, den Befehl, zum Sturme auf diestarke Stellung zu schreiten. Er ward indessen von den unterden Augen des Kaisers mit Ausdauer und Standhaftigkeit fechten-den Franzosen, nach heftigem hin und her wogendem Kampfe, ab-gewiesen. Zweimal waren die Preußen vom Kleistschen Korps,die Mauern übersteigend, einmal die Russen des Herzog Eugenvon Württemberg eingedrungen und hatten sich des Dorfes be-mächtigt. Jedesmal wurden sie durch frische französische Truppenwieder hinausgeworfen. Die Monarchen sahen am Ende die Nutz-losigkeit weiterer Anstrengungen ein und befahlen, statt die hinterMeusdorf untätig stehenden Garden heranzuziehen und die Ent-scheidung zu erzwingen, die Einstellung der Angriffe. Barclay zogseine Truppen hierauf aus dem Kartätschfeuer zurück und beschränktesich fortan auf eine lebhafte Kanonade, um den Feind wenigstens