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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Die unmittelbaren Folgen der Völkerschlacht

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Napoleons Rückzug hinter den Rhein

Am 19. Oktober um 9 Uhr früh verließ Napoleon Leipzigund bemühte sich, bei Lindenau in die fliehenden Massen Ordnungzu bringen, die sich unter dem Nachdrängen der Verbündeten mehrund mehr gelöst hatten. Das Durcheinander von Truppen, Ge-schützen und Fahrzeugen war am Ende ein unentwirrbares. HätteFürst Schwarzenberg rechtzeitig oberhalb Leipzig verfügbare Reservenüber die Elster gehen lassen, so wäre nur wenig von der ehe-maligengroßen Armee" davongekommen. Kaiser Alexander hatteam 18. Oktober abends zu Ende der Schlacht darauf gedrungen,dem geschlagenen Feind den Rückzug zu verlegen, und möglich wardies; denn an frischen Truppen fehlte es nicht. Vielleicht wäredadurch verhütet worden, daß ein neuer blutiger Feldzug nötigwurde, Napoleon völlig niederzuwerfen. Aber es unterblieb, undnoch fünf Monate unerhörter Anstrengungen und verlustreicherKämpfe wurden erforderlich, um die Verbündeten ans Ziel zu bringen.

Von Lindenau setzte der Kaiser seinen Weg nach Markranstädt fort und verteilte seine ankommenden Truppen rings um diese Stadt,sowie nach rückwärts bis Weißenfels hin, wo Bertrand bereits stand.Dort lagerten sie in der Nacht zum 20. Oktober fast auf denselbenFeldern, auf denen sie im Frühjahr nach der russischen Katastrophezum ersten Male mit dem neuen Feinde zusammengestoßen waren.Oudinot hielt mit der Nachhut bei Lindenau .

Die Verbündeten blieben in und bei Leipzig . Nur das KorpsJorck, das schon am Abend vorher zur Verfolgung aufgebrochenwar, stand bereits bei Halle und Merseburg .

Am 20. ging der französische Rückzug auf Freyburg an derUnstrut . Oudinot, der Lindenau schon vor Tagesanbruch verließ,erreichte am Abend Weißenfels . Des Kaisers Besorgnis war, vonKösen her umgangen zu werden. Am 21. mußte Bertrand daherauf den Höhen bei Neu-Kösen an der Saale aufmarschieren, währenddas geschlagene Heer, noch 8090 000 Mann stark, durch Frey-burg über die Unstrut nach Eckartsberga zog, wo fast genau siebenJahre zuvor der Waffenruhm der alten preußischen Armee zu-grunde ging.

Bertrand behauptete sich bis zum Abend gegen Gyulais An-griffe und folgte dann der Armee.

Am 22. wurde Buttelstädt, am 23. Erfurt erreicht. Von