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IV. Die Befreiungskriege
dort ging der weitere Rückzug auf der großen Hauptstraße überGotha, Eisenach und Fulda dem Rheine entgegen.
Blücher hatte die Saale am 21. Abends zu Weißenfels aufeiner Kriegsbrücke überschritten, die als Ersatz für die von denFranzosen verbrannte stehende Brücke geschlagen worden war. Ertraf am 22. bei Freyburg ein, wo er sich mit Aorck wieder ver-einigte, der tags zuvor dort ein lebhaftes Gefecht gegen den ab-ziehenden Gegner bestanden hatte, das ihn noch 17 Offiziere, 827Mann kostete, ihm aber auch 400 Gefangene und 3 erbeutete Ge-schütze eintrug. Da er die Nnstrutbrücken zerstört fand, bog er nörd-lich über Sömmerda und Langensalza aus, während Schwarzenbergsüdlich über Weimar folgte. So sollte der Kaiser, wenn er ver-suchte, hinter Erfurt neuen Widerstand zu leisten, sogleich auf beidenFlügeln umfaßt werden.
Allein noch waren die Franzosen nicht imstande, an eine aber-malige Aufnahme des Kampfes zu denken. Sie konnten es um soweniger, als bei Erfurt höchstens noch 70—80 000 Mann zu-sammenkamen, Bayern sich jedoch am 8. Oktober bereits durch denVertrag von Ried von Frankreich getrennt und ihm am 14. Oktoberden Krieg erklärt hatte. Von Süden her rückte Wrede mit einemaus Bayern und Österreichern gebildeten Heere über Rothenburg und Würzburg gegen die französische Rückzugslinie heran. Rast-los blieb Napoleon daher in der Bewegung. Als Blücher am 25. beiLangensalza, Schwarzenberg vor Weimar eintraf, hatte der Kaiserdiese Stadt schon tags zuvor verlassen. Am Hörselberge und beiEichrodt kam es den 26. Oktober noch zu Verfolgungsgefechten.Dann riß die enge Fühlung mit dem Feinde wieder ab. Die Märsche,„teils auf sehr schlechten Bergwegen, teils über aufgeweichte Ton-äcker" waren außerordentlich mühselig geworden. Die Lagerplätzewurden von vielen Soldaten nicht mehr erreicht, die ankommendenaber sanken „ohne Gefühl für Nahrung" todmüde um. „Der26. Oktober war der letzte, aber auch der schlimmste dieserschlimmen Tage." Die Verbündeten gaben die Hoffnung auf, denFeind noch zu erreichen. Blücher wurde von Eisenach aus dieRichtung auf Coblenz angewiesen, um die geschlagene Armee ab-zufangen, wenn sie vor den Bayern etwa dorthin ausbiegen sollte.Schwarzenberg folgte, nachdem er erfahren, daß der Feind nichtauf Coblenz zurückgehe, gemächlich in mehreren Kolonnen durchden Thüringer Wald auf Hanau .