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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Napoleon durchbricht Wredes Schlachilinie

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Franzosen zum allgemeinen Angriff, Wredes Schlachtlinie sprengend.Das nördliche Kinzigufer mußte geräumt werden. Dabei gestaltetesich der Rückzug über die einzige zur Verfügung stehende Lamboy-brücke sehr schwierig. Auch hier ertranken viele Mannschaften, diedurch die Kinzig an das Südufer zu gelangen suchten. Die Ver-bündeten gingen schließlich an der Aschaffenburger Straße bishinter den Lehrhof zurück, hielten aber Hanau noch schwach besetzt.Oberhalb der Stadt behaupteten die Bayern sich die Nacht hindurchan der Kinzig. Der Weg für den Rückzug war frei und Napoleon zögerte nicht, den Marsch noch in der Nacht fortsetzen zu lassen,nachdem er seinen Truppen einige Stunden Ruhe gegönnt hatte.

Am Morgen des 31. Oktober wurde auch Hanau , das derKaiser lebhaft mit Granaten beWerfen ließ, von Wrede geräumt.Bertrand besetzte die Stadt zum Schutze der nach Frankfurt a/M.nördlich vorüberführenden Straßen, Marmont stellte sich an derLamboybrücke auf, um den Vorbeimarsch der noch von rückwärtsherankommenden Heeresteile zu schützen.

Um 11 Uhr vormittags verließ Napoleon die Gegend vonHanau und beauftragte Marmont den Marsch der Armee weiterhindurch die Behauptung von Hanau zu decken. Bis zum Abenddes 31. blieb der Marschall auch dort stehen, obwohl er sich am Nach-mittage gegen heftige Angriffe des wieder vorgehenden Wrede hattewehren müssen. Dieser drängte in richtiger Erkenntnis sofortwieder nach, als er Napoleons Abmarsch bemerkte. Die Lamboybrückebestürmte er vergeblich, indes gelang es ihm, die Stadt zu nehmen,so daß er bis zur Kinzigbrücke an der Frankfurter Straße herankam.Dort stockte der Angriff. Marmont folgte in der Dunkelheit seinemGebieter auf Frankfurt , nachdem er kurz zuvor uoch einen energischenaber vergeblichen Vorstoß gegen die Kinzigbrücke geführt hatte.

Die Verluste in den Kämpfen der letzten Tage waren sehrgroß. Sie betrugen auf feiten der Verbündeten 197 Offiziereund 9087 Mann. Sie werden bei den Franzosen nicht geringergewesen sein. Wrede selbst war am Nachmittage des 31. nachWegnahme der Stadt an der Kinzigbrücke schwer verwundet worden.Die dadurch entstandene Verwirrung hatte viel dazu beigetragen,daß der Angriff nicht fortgesetzt wurde.

Am 2. November kehrte Napoleon mit der Armee bei Mainz über den Rhein zurück. Sein Fuhrwesen hatte er auf den Umwegüber Coblenz verwiesen.