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IV. Die Befreiungskriege
Bertrand blieb als Nachhut bei Hochheim stehen.
Bei Hanau hatte Napoleon sich noch einmal glücklich durch-geschlagen und einen letzten nicht unerheblichen Erfolg auf deut-schem Boden davongetragen. Die Auflösung aber war trotzdemweiter fortgeschritten. Nicht weniger als S Generale, 230 Offi-ziere und etwa 10 000 Mann waren während der letzten Tageals Gefangene in die Hände der Verbündeten gefallen.
Die Ereignisse an der Nieder-Llbe.
Wir haben nachzuholen, was seit dem Waffenstillstände inNieder-Deutschland geschehen war. Nach den Trachenberger Ent-würfen sollte der Kronprinz von Schweden ein selbständiges Korpsbereitstellen, um den an der unteren Elbe stehenden Feind — Fran-zosen und Dänen — festzuhalten und der Nordarmee den Rückenzu decken. Den Befehl über dieses Korps erhielt der englisch -russischeGeneralleutnant Graf Wallmoden, dem Clausewitz , der bekannteKriegsgelehrte, als Generalstabschef beigegeben wurde. Es zähltean 27 000 Mann, darunter viel Kavallerie; doch mußten gleich 6400Mann an General v. Vegesack abgegeben werden, der nötigenfallsdas schwedische Pommern sichern sollte und halb unabhängig ge-macht wurde. Die Wallmoden unmittelbar verbliebene Streitkrafterschien einem Davout gegenüber schwach. Es kam aber noch hinzu,daß ein Teil der Truppen sich erst in der Bildung befand und daßsie sich aus Russen, Briten, Schweden, Deutschen und herbeigeeiltenFremden zusammensetzten, die der gemeinsame Haß gegen Napoleon vereinigt hatte. Manche Abteilungen waren zu Beginn vor demFeinde kaum verwendbar.
Zu Ende des Waffenstillstandes hatte Wallmoden zwischenTravemünde und der Elbe hinter Trave und Stecknitz Aufstellunggenommen. Ihm gegenüber bei Bergedorf an der Elbe standDavout mit 33 000 Mann an Truppen ähnlicher Beschaffenheit.Hamburg, das eine eigene Besatzung hatte, und Lübeck waren vonihm befestigt worden, Travemünde gegen Handstreich geschützt.
Mit Ablauf des Waffenstillstandes, am 17. August überschrittder französische Marschall bei Lauenburg und Buchen unter glück-lichen Gefechten die Stecknitz und ging auf Schwerin vor, das eram 23. August erreichte. Ehe er energisch handelte, sollte er ent-scheidende Nachrichten von Oudinot abwarten, und diese kamen