376
IV. Die Befreiungskriege
Der General selbst übernahm den Befehl vor Magdeburg ,dessen starke, gut ausgestattete und für neun Monate mit Lebens--Mitteln versehene Besatzung seit Bennigsens Abmarsch von demverhältnismäßig schwachen Einschließungskorps Hirschfelds nur mitMühe im Zaume gehalten wurde. Zwar gelaug es jetzt, sie nachund nach ganz auf die Werke zu beschränken. An eine Belagerungaber war nicht zu denken, obwohl die Einschließungstruppen all-mählich bis auf 38 Bataillone und 39 Schwadronen anwuchsen.Vor allem fehlte der ausreichende Geschützpark dazu. So hielt sichdie Festung bis zur Abdankung Napoleons ; die Besatzung huldigteam 4. Mai dem neuen Könige von Frankreich und verließ denPlatz in allen Ehren, noch 18000 Manu stark, um in die Heimatzurückzukehren. Sie hatte gezeigt, was Kleist im Unglücksjahre1806 hätte leisten können.
In Magdeburg fand man nicht weniger als 841 Geschützeund 32 000 Gewehre.
Erfurt , das der Kaiser sorgsam hatte verstärken lassen,räumte der Kommandant vor Kleists Angriffen, der mit seinemschwachen Korps dort zurückgelassen worden war, am 6. Januar.Er zog sich in die beiden außerhalb gelegenen Zitadellen Petersbergund Cyriaksburg zurück, wo er sich gegen schwache Einschließungs-truppen gleichfalls bis zum Ende des Krieges hielt. Kleist wareinige Tage nach Übergabe der Stadt zum Heere in Frankreich abgerückt.
Um dieselbe Zeit wie Erfurt wurde auch die Feste Marien-berg bei Würzburg an bayerische und Würzburgische Truppenausgeliefert.
Wesel, das seit Bülows Einmarsch in Holland von dessenTruppen, dann von Abteilungen Wintzingerodes und vom 5. März1814 an durch ein besonderes, teils aus Holstein von der Nordarmeekommendes, teils neu gebildetes Truppenkorps eingeschlossen wurde,hielt sich wacker. Die Besatzung unternahm zahlreiche Ausfälle,und der energische Kommandant wies alle Aufforderungen zurÜbergabe ab. Selbst als am 22. April der von König Ludwig XVIII. ernannte Kriegsminister Dupont ihn durch einen Offizier zurKapitulation ermächtigen ließ, erklärte er zunächst, daß er einensolchen Kriegsminister gar nicht kenne. Erst am 10. Mai räumteer den Platz.