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nach der Schlacht von Leipzig in den Platz geflüchtet. Selbst alsSachsen und Bayern entlassen worden waren, blieben noch mehrals 24000 Mann darin, von denen zwei Drittel Kampffähige waren.
General Tauentzien, der sich vor der Schlacht von Leipzig von der Nordarmee getrennt hatte und bei Potsdam stand, erhieltden Befehl, mit seinem Armeekorps zur Belagerung der Elb-festungen zu schreiten. Er traf mit dem größeren Teil davonam 27. Oktober vor Torgau ein, während der kleinere sich vorWittenberg legte. Auch die bei Leipzig zu den Verbündeten über-getretenen Sachsen und General v. Wobeser wurden bei Torgau ver-wendet, so daß das Belagerungskorps eine ansehnliche Höhe erreichte.Geschütz kam von Berlin und Spandau . Am 2. November wardie Einschließung fertig. Als am 12. Dezember das nordwestlichvon Torgau auf einer Anhöhe beherrschend gelegene Fort Zinnabezwungen war, begannen in der Stadt unter den dichtgedrängtenMenschenmassen entsetzliche Zustände. Epidemien wüteten derart,daß zeitweise über 300 Menschen täglich starben; dennoch setztendie wackeren Verteidiger den Widerstand fort. Erst nachdem sichdie Besatzung um 14000 Mann vermindert hatte, kapitulierte derRest am 26. Dezember. Den 10. Januar verließen noch etwasüber 4000 Marschfähige den Platz. Den wertvollen französischenPark hatten sie vorher zerstört, 250 Geschütze und reiche Munitions-vorräte aber fielen den Belagerern in die Hände.
Nun kam Wittenberg an die Reihe, das nach dem Fallevon Torgau mit stärkeren Kräften angegriffen werden konnte. Am23. Dezember traf General Tauentzien selbst vor der Festung ein,und in der nächsten Nacht schon wurde die erste Parallele eröffnet.Ein tüchtiger Kommandant aber hatte die Verteidigung mit Umsichtund Energie vorbereitet; seine Artillerie erwies sich anfangs sogarals überlegen. Dies änderte sich, sobald Geschütz und Munitionvon Torgau ankamen. Nun schritten die geschickt geleiteten Be-lagerungsarbeiten schnell vorwärts. In der Frühe des 13. Januar1814 erfolgte der Sturm im Beifein des Prinzen August vonPreußen. Der Rest der braven Besatzung, 1500 Mann, dievon 3000 noch übrig waren, verteidigte sich zuletzt in Schloß undRathaus, bis er am Nachmittage zur Übergabe gezwungen wurde.96 Geschütze und beträchtliche Mnnitionsvorräte wnrden erbeutet.Tauentziens Truppen rückten uach getaner Arbeit über Erfurt anden Rhein ab.