374 IV. Die Befreiungskriege
Die Zeit war für die Besatzungen gekommen, an Selbst-befreiung zu denken, um sich vor der Kriegsgefangenschaft zu retten.Dazu hätte St. Chr, der mit mehr als 30000 Mann ausrückenkonnte und Napoleons Zustimmung zum Verlassen von Dresden sicher war, das Signal geben müssen. In zwei Tagen konnteer bei Torgau stehen, wo er 16—20000 Mann fand, von dortWittenberg und Magdeburg erreichen, wodurch er sich abermalsum 20 000 Mann und mehr zu verstärken vermochte, um miteinem ansehnlichen Heere von 70000 Mann Davout an der Unter-elbe die Hand zu reichen. Dann wären mit Einschluß der Dänenüber 100000 Mann bereit gewesen, um einen neuen Feldzug imNorden Deutschlands zu beginnen oder sich gewaltsam den Wegnach dem Rheine zu bahnen.
Allein St. Cyr war nicht der Mann so kühner Entwürfe.Die Besatzungen erwarteten ihr unvermeidliches Schicksal hinterden schützenden Wällen.
Vor Dresden waren nach Bennigsens Abmarsch nur 15000Russen, zum großen Teil Milizen, verblieben, von denen einigenoch Piken trugen, ferner eine schwache österreichische Abteilung mit62 Geschützen. St. Cyr griff sie an und warf sie am 17. Oktoberunter glücklichen Gefechten bis Dohna zurück. Aber er benutztedie gewonnene Freiheit nicht, und bald trafen weitere österreichischeVerstärkungen, sowie, von Leipzig zurückkehrend, das Korps Klenauvor Dresden ein. Vom 26. Oktober ab zählte die Einschließungs-armee schon 4S000 Mann mit 127 Geschützen. Klenau, der denOberbefehl übernahm, engte die Besatzung nunmehr auf die Werkeder Stadt ein, in der bereits großer Mangel herrschte. Nach einemfruchtlosen Versuche Lobaus, mit seinem Korps gegen Großenhain durchzubrechen, ergab sich die Besatzung am 11. November.1 Marschall, 33 Generale, 30000 Offiziere und Mannschaftenfielen, noch kampffähig, in Kriegsgefangenschaft. Schlimmereshätte ihnen bei dem verwegensten Befreiungsversuche auch nicht be-gegnen können.
Beinahe wichtiger als dies Ergebnis war für die Verbündetennoch die Beute an Kriegsmaterial, an dem es ihnen sehr fehlte.245 Geschütze und 40 000 Gewehre fanden sich in Dresden vor.
Torgau , das einige Außenwerke am rechten und einenBrückenkopf am linken Ufer besaß, galt mit Recht für eine Festungersten Ranges. Zahlreicher Troß der großen Armee hatte sich