Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
373
Einzelbild herunterladen
 

Eroberung Hollands durch Bülow

373

des unkriegerischen Handelsvolkes zu überwinden und den trotzigenNationalstolz, der einst seine Vorfahren zu dem Kampfe mit denSpaniern begeistert hatte, wiederzuerwecken. Mit der Rückkehr desOraniers und der Vertreibung der Franzosen sah das Volk seineeigenen Wünsche erfüllt, und seine neue Negierung dankte dendeutschen Befreiern dadurch, daß sie am 23. Dezember das Dekretaußer Kraft setzte, durch welches Napoleon am 21. Oktober 1811dem Rheinhandel die See freigegeben hatte.

Immerhin hatte Bülow viel erreicht. Seine Stellung am Waal,mit Breda als Vorposten, entzog dem französischen Kaiser ein reichesGebiet und viele Mittel zur Wiederherstellung seiner zerstörtenWaffenmacht. Sie sicherte den Verbündeten für den Einmarschnach Frankreich wirksam die rechte Flanke.

^. Der Aainxf uin die Festungen

Während die verbündeten Heere in Holland und am Rheine die Gegenden erreichten, von denen aus sie im folgenden Jahrenach Frankreich hinein vorgingen, ward in ihrem Rücken derKampf gegen die von den Franzosen besetzten Städte durchgeführt.Noch hielten sie, zum größten Teil mit starken Besatzungen, östlichder Weichsel: Zamoscz, an der Weichsel: Danzig und Modlin, ander Oder: Stettin, Küstrin und Glogau, an der Elbe: Dresden ,Torgau, Wittenberg, Magdeburg und Hamburg , ferner zwischenElbe und Rhein: Würzburg und Erfurt, fowie am Rhein: Kehl ,Castel und Wesel im ganzen 16 feste Plätze. An 140 000, janach anderer Angabe 190 000 Mann, also ein ganzes großes Heer,war darin gebannt, und es bestand noch dazu aus alten, kriegs-erfahrenen Truppen, die den Beschwerden des Lebens im freien Feldeweit besser widerstanden haben würden, als des Kaisers junge Kon-skribierte. Wieviel hätte sein Genie damit ausrichten können!

Als der Feldzug von 1813 durch die Völkerschlacht vonLeipzig entschieden und an eine Rückkehr Napoleons nicht mehr zudenken war, hatte die Behauptung der nun vereinsamten Festungenkeinen anderen Zweck mehr, als einen verhältnismäßig geringenTeil der verbündeten Streitkräfte fern vom Kriegsschauplatz festzu-halten. Dieser Teil bestand zudem noch vielfach aus Truppen, diefür den Gebrauch im Feldkriege ohnehin wenig geeignet erschienen.