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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Macdonald, dein die Verteidigung des Niederrheins übertragenworden war, war gleichfalls nicht imstande, das Einbrechen derVerbündeten zu hindern. Sein ganzes Korps bestand nur nochaus 79000 Mann kampfmüder Truppen, denen nur langsameinige Verstärkungen zuflössen.

Während russische Abteilungen von Wintzingerodes Korps denKasaken nach Nordholland folgten, nahm Bülows Avantgarde unterGeneral v. Oppen durch kühne Überfälle zu Ende November diekleinen Melplätze Deventer, Zütphen und Doesborgh. Der ihmmit der Hauptmacht folgende Bülow stürmte am 30. Arnheim undsetzte den Marsch noch auf Utrecht fort. Am 2. Dezember zogPrinz Wilhelm von Oranien feierlich in Amsterdam ein und er-klärte sich zum souveränen Fürsten des Landes.

Schnell fielen die meisten kleineu Festungen und Forts, dienur eine ganz ungenügende Besatzung hatten. Selbst Breda wurdevon Benkendorf und Colombs Streifkorps genommen, Gorkum ,derSchlüssel Hollands", von Bülow umstellt. Die Kasakenstreiften bis nach Antwerpen und Brüssel, wohin sich die fran-zösischen Truppen zusammenzogen.

Obwohl Bülow, der auch Wesel hatte einschließen müssen, nurnoch über 18 000 Mann verfügte, so rief sein schnelles Vordringenbei Napoleon anfangs den Eindruck hervor, daß der Hauptangriffder Verbündeten durch Holland kommen werde. Er setzte ver-hältnismäßig bedeutende Verstärkungen nach den Niederlanden inBewegung und ordnete einen Vorstoß von Antwerpen zur Wieder-eroberung von Breda an, der am 19. Dezember begann, aberscheiterte.

Inzwischen hatte der Abmarsch der verbündeten Hauptarmeean den Oberrhein die Lage geklärt; Napoleon hielt einen Teil derschon abgesandten Truppen wieder sest und beließ bei Antwerpen nur das in der Neubildung begriffene 1. Korps unter Maison,sowie Macdonald mit dem 11. zwischen Maas und Rhein .

Aber auch Bülow vermochte mit seinen geringen Streitkräftennichts weiteres zu unternehmen. Seine Gegner schätzte er zu-sammen auf 30 000 Mann, hielt sie also den eigenen Kräften fürbedeutend überlegen. Vergeblich bat er um Verstärkungen, ver-geblich drängte er die Russen zur Ablösung seiner Truppen vorWesel , vergeblich auch die Holländer zur Teilnahme am Kampfefür die eigene Befreiung. Es gelang ihm nicht, die Gleichgültigkeit