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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Jourdan entscheidend geschlagen und sie über die Westpyrenäenzurückgedrängt. Im Nordosten des Landes behauptete sich Suchetnur noch mit Mühe. So sah der Kaiser sich beinahe schon aufdie alten Grenzen Frankreichs zurückgedrängt.

Schlimmer aber als die Gebietsverluste war die innere Er-schöpfung von Reich und Heer. Kein Volk erträgt eine Anspannung,wie sie seit 180S über Frankreich verhängt worden war, auf dieDauer. Frankreich sehnte sich nach Frieden.

Die über den Rhein heimkehrenden Heerestrümmer brachtenzwei neue furchtbare Feinde mit sich, die Ruhr und den Typhus.Die übermäßigen Anstrengungen des Feldzuges an der Elbe rächtensich jetzt bitter; die geschwächten Mannschaften waren nicht mehrwiderstandsfähig. Reißend verbreiteten die Krankheiten sich in ihrenReihen und gingen auf die in Frankreich eiligst zusammenberufenenjungen Konskribierten über. Sie starben zu Tausenden, und alleMühe, die Korps der Großen Armee wieder auf eine ansehnlicheHöhe zu bringen, blieb umsonst.

Ein Heer mußte für den kommenden Feldzug erst geschaffenwerden, und dazu fehlte es nach den unermeßlichen Verlusten, dieNapoleon in Rußland und Deutschland erlitten hatte, fast anallem, an kräftigen Mannern, an Waffen, an Munition, Aus-rüstung, Material und Kriegsgerät.

Ein Feldherr gewöhnlichen Schlages hätte unter diesen Um-ständen die noch vorhandenen Kräfte zum Schutze der Hauptstadtzusammengezogen, um einen letzten verzweifelten Widerstand zuleisten, oder die Frankfurter Bedingungen bereitwillig angenommen.

Napoleon dachte anders, und man wird ihm nicht Unrechtgeben können. Wenn er Belgien, Lothringen und das Elsaß , sowieBurgund freiwillig räumte und feine Truppen von der spanischen Grenze zurückzog, so wurde seine Schwäche offenbar. Er gab dasLand, aus dem seine neue Waffenmacht erstehen sollte, zum großenTeile auf, und die Verbündeten, die noch zögerten, wären ihmsicherlich sogleich gefolgt. Auch seinem gewaltigen Willen wäre esdann nicht mehr möglich gewesen, das französische Volk zu einemneuen großen Aufgebote der Kräfte zu bringen. Der Kampf gegendie Übermacht hätte bald ein Ende gefunden.

Oberitalien und Catalonien hätte er freilich auf alle Fälleräumen sollen. Sie waren nicht zu behaupten und lieferten ihmwenig oder gar keine Kräfte für seine Waffenmacht. Mit den von