Allgemeine Erschöpfung Frankreichs
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dort herangeholten Truppen aber hätte er ein starkes Heer beiLyon in der Flanke der einrückenden Verbündeten bilden können,das bei deren Vormarsch ohne Zweifel eine große Rolle gespielthaben würde.
Wenn er sich im Beginn von 1813 weise Beschränkung inseinen Zielen auferlegt und auf die Behauptung der Weichsel -und Oderfestungen freiwillig verzichtet hätte, so würden seine Mittelfür den entscheidenden Kampf sich vermehrt haben. 1814 ver-minderten sie sich mit jeder Provinz, die er räumte. Er durfteauf den Glanz seines kriegerischen Namens bauen. Daß ihndie Verbündeten noch im Winter auf dem Nährboden seiner Kraftangreifen würden, erwartete er nicht. Auch sie hatten viel gelittenund bedurften der Ruhe. Vielleicht blieben sie stehen; neueFriedensverhandlungen konnten zum Ziele führen. In der Tatsind die Umstände mit denen, die ein Jahr zuvor herrschten, nichtzu vergleichen.
Schon in Mainz, beim Rückzüge von Leipzig , hatte der Kaiserdeshalb zwar die ersten Maßnahmen zu der unvermeidlich gewordenenRäumung des rechten, aber auch zur Behauptung des linken Rhein -nfers getroffen. Weitere Anordnungen folgten.
Wir wissen, daß Macdonald mit rund 10000 Mann amUnterrhein, Maison mit IS 000 Mann bei Antwerpen ausharrensollten. In Mainz blieb Morand mit 15 000 Mann, Marmont mit20000 bei Dürkheim, Victor mit 20000 Mann hinter den Vogesen bei Baccarat. In zweiter Linie standen Ney bei Nancy, Mortierbei Langers, Augereau bei Lyon , die aber zusammen nur überetwa 20000 Mann verfügten. Ihre Korps wurden aus den Di-visionen zusammengesetzt, wie es die Gelegenheit ergab.
So standen von Holland bis zum Jura hinab nicht mehrals 100000 Mann im Felde, um den Einbruch der Verbündetennach Frankreich aufzuhalten. Die zahlreichen Grenzfestungen bliebennur ganz ungenügend besetzt. Das war keine ernste, sondern nureine Scheinverteidigung. Aber ohne diese erschien die neue Rüstungzum Kriege unmöglich. Die zerstreute Aufstellung erleichterte dieNeubildungen, die Ausrüstung und Ernährung der Mannschaften,die zu den Fahnen eilen sollten. Die Aushebung von 280000Mann war schon vor der Schlacht von Leipzig angeordnet worden.Im November folgte eine solche von 300 000. Die Rechnung stimmtefreilich nur, wenn dem Kaiser Zeit gelassen wurde, aber daß das
Frhr. v, d. Goltz, Kriegsgeschichte 25