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IV. Die Befreiungskriege
gewinnen, wo Maas, Marne, Aube und Seine entspringen. Nachder herrschenden Ansicht wurden diese Flußlinien von dort ausbeherrscht, so daß sie ihren Wert als Verteidigungslinien für Na-poleon größtenteils verloren. Vom Plateau von Langres auskonnte man auch zur Not dem Heere Wellingtons, das aus Spanien kam, die Hand reichen und den Vizekünig Eugen ebenso wie Na-poleon im Rücken bedrohen. Dann sollte auch Blücher vorgehen.Der Kaiser, so in eine üble Lage versetzt, mußte Einsicht genughaben, die Friedensvorschläge, die er bis dahin zurückgewiesen hatte,dankbar anzunehmen. Sollte der Druck durch die Ausführung dessinnreichen, wohldurchdachten Planes noch nicht genügen, dannkonnte wie im Herbstfeldzuge verfahren und der gemeinsame Feindallmählich zurückmanövriert werden.
So etwa sah der gekünstelte Plan aus, der dem Einmärschenach Frankreich hinein zugrunde gelegt werden sollte.
Ein Gutes hatte das Zögern und der Stillstand der Ope-rationen im Herbste. Die Verbündeten hatten Ruhe und Zeitgehabt, ihre Verluste wieder auszugleichen. Ein Teil der vor denFestungen zurückgebliebenen Truppen konnte nach Erfüllung seinerAufgaben die Heere am Rheins noch erreichen. Aus den Deutsch-land wiedergewonnenen Rheinbundstaaten flössen diesen nach undnach noch einige Verstärkungen zu.
Acht deutsche Armeekorps sollten gebildet werden, das erstein Bayern , das zweite im Norden, das dritte in Sachsen, dasvierte in Hessen, das fünfte in Thüringen und Westfalen , dassechste am Mittelrhein, das siebente in Württemberg und das achtein Baden. Ihre Stärke war verschieden auf 10—15 000 Mannberechnet. Ihre Aufstellung schritt sehr ungleich fort. Die amehesten schlagfertigen, das 1. und 7., traten, durch österreichischeTruppen verstärkt, als ö. und 6. Armeekorps zur Hauptarmeeüber. Die anderen wirkten zum Teil noch bei der Einschließungund Belagerung der Festungen mit. Das 2. wurde niemals ganzfertig; nur sein braunschweigisches Kontingent kam noch zur Tätigkeit.
Immerhin war es eine Unterstützung, die gemeinsam mit dennachrückenden Ersatzmannschaften die Feldarmee wieder auf einestattliche Höhe brachte.
Bülows Streitmacht in Holland und vor Wesel kam allmäh-lich auf 30 000 Mann mit 96 Geschützen, die schlesische Armee,jetzt aus dem preußischen Korps Jorck, sowie den russischen von