Der Rheinübergang der verbündeten Heere 391
kommende Truppen bis auf 20 000 Mann verstärkt, gleichfallsam 26. Januar ein. Sein Verlust bei Bar hatte an 1200 Mannbetragen. Seine Gegner verloren 900 Tote und Verwundeteund blieben in Ungewißheit über die Richtung, in der er ver-schwunden war. Sie hatten Bar erst am 2S. Januar besetzt. —Am 13. Januar war auch Bülow, von 3000 Engländernunter Graham unterstützt, auf Antwerpen vorgegangen und hatteMaison unter den Schutz dieser großen und starken Festung zurück-geworfen.
Um dieselbe Zeit erschien Wintzingerode, der sich lange inWestfalen aufgehalten hatte, mit seinem 17 000 Mann und 60 Ge-schützen starken Korps, von der Nordarmee herbeigerufen, bei Düssel-dorf am Rhein und begann den Strom zu überschreiten. Vor ihmwar Macdonald bereits abgezogen, um zur Armee des Kaisers inder Richtung auf Chalons heranzurücken. Er ging bei Maastricht hinter die Maas und dann weiter nach Namur,wo er am 18. Januarzunächst stehen blieb.
So war der wichtige Schritt des Rheinüberganges, dem manim großen Hauptquartier der Verbündeten mit so viel Bedenklich-keiten entgegengesehen hatte, geschehen, ohne daß sich eine einzigeder Befürchtungen erfüllt hatte, die man zuvor daran knüpfte.Der Beweis war geliefert, wie sehr Blücher und Gneisenau Rechtgehabt hatten, als sie zwei Monate früher fchon zum unaufhalt-samen Marsche auf Paris rieten.
Für Napoleon aber kamen die Verbündeten auch jetzt nochüberraschend und zu zeitig. Er hatte gehofft, daß sie bis zumFrühjahr am Rheine stehen bleiben würden, und wollte bis dahineine neue Armee von 300000 Mann, darunter 100 000 Gardenaus dem Boden stampfen. Jetzt waren nur Anfänge zu allenNeubildungen vorhanden, und der Typhus raffte wieder dahin,was er eben zusammengebracht hatte.
So sehr die Verhältnisse sich aber auch für ihn ungünstigergestalteten, als er es erwartet hatte, so wenig dachte er daran, sichseinem Geschick zu ergeben. Statt seine schwachen Streitkräfte denRückzug gegen die Hauptstadt fortsetzen zu lassen, beschloß er, sichsofort selber zur Armee zu begeben, um „im Vertrauen auf dieKraft seines Genies" mitten unter den getrennt heranziehendenseindlichen Kolonnen zu erscheinen.