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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Blüchers Zuversicht und Vertrauen

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Auf die Nachricht von den Vorgängen bei St. Dizier zog eram 28. sein kleines Heer um Brienne zusammen, Napoleon dasseine, bis auf Marmvnts Korps, das er bei St. Dizier beließ, umMontierender. Ein an Mortier abgesendeter Befehl fiel in FeindesHand und- brachte Blücher die Gewißheit, daß er Napoleon selbstvor sich hätte. Er beschloß standzuhalten. Napoleon dachte wiederum,schon durch sein Erscheinen vor dem Passe von Bar-sur-Aube den Vormarsch der Verbündeten auf Troyes zum Stehen zu bringen.Am 29. nachmittags griff er an. Es kam bei Brienne zum Gefechtmit verkehrter Front. Blücher hatte im Augenblicke nur Sackenund Olsuwief bei sich. Auch rückte eine schwache Vorhut Wittgen-steins von der Hauptarmee heran, so daß er im ganzen über etwa30 000 Mann verfügte. Zum ersten Male sollte er dem Kaiserpersönlich gegenübertreten, der an Streitkräften um etwa 10 000Mann stärker war als er.

Vom Hofe des auf einer Höhe westlich von Brienne gelegenenSchlosses aus leitete Blücher den Kampf. Durch sein Fernrohr er-kannte er drüben den Stab des verhaßten Korsen, der hier, wo erseine erste militärische Erziehung genossen hatte, in bekanntem Ge-lände focht. Der Angriff erfolgte von Nordosten her. Die Stadtward genommen und wiedergenommen. In der Dämmerung deskurzen Wintertages ordnete der Kaiser einen allgemeinen Vorstoßan. Blücher hatte inzwischen die Masse seiner Truppen durch dieStadt auf deren Südseite gezogen, dort namentlich starke Kavallerieversammelt. Mit dieser fiel er den herankommenden Franzosenin die linke Flanke und warf sie in nordöstlicher Richtung zurück.Der Kampf schien beendet, die Dunkelheit hinderte die Verfolgung.Der Feldmarschall, der zwischen 3 und 4 Uhr zu seinen Truppengeritten war, kehrte in das Schloß zurück. Da erfolgte am spätenAbend ein neuer überraschender Angriff von der Nord- undNordwestseite. Fast wäre Blücher in Gefangenschaft gefallen.Dennoch gab er den Kampf nicht auf; er ging von Süden herwieder vor. In der Stadt wurde bis tief in die Nacht hineingefochten; das Schloß abermals zu erobern, gelang nicht. Umnicht der Verbindung mit der Hauptarmee beraubt zu werden, ent-schloß Blücher sich endlich ergrimmten Herzens zum Abzüge nach densüdlich gelegenen Höhen von Trannes, wo er sich gleichsam alsVorhut oder Seitendeckung der Hauptarmee aufstellte. Der Verlusthatte auf jeder Seite an 3000 Mann betragen.