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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

kleinen Heerteil gegen Montmirail. Wittgenstein und Wrede gingenfechtend auf Provins und Bray zurück; der Kronprinz von Württem-berg blieb bei Montereau. Gegen ihn entsandte Napoleon denMarschall Victor, der den wichtigen Übergang an diesem Tage nochnehmen sollte, ihn aber nicht mehr erreichte.

Hierüber aufgebracht, ersetzte ihn der Kaiser durch Gerard,der am 18. morgens zum Angriff schritt. Der Kronprinz hatteden wunderlichen Befehl erhalten, den Übergang wenigstens biszum 18. abends zu behaupten, obschon Schwarzenberg nicht mehrdaran dachte, ihn zu benutzen. Auch war nichts für seine Unter-stützung geschehen. Dazu kam noch, daß das hohe rechte Ufer derSeine das flache linke und die Brücken um nahe an 200 Fuß über-ragte, so daß es besetzt werden mußte. Die dort stehenden Truppenhatten den steilen Talrand und die Seine mit nur einer Brückehinter sich. Sie befanden sich also in recht ungünstiger Lage.Nach längerem hin und her wogenden Kampfe wurde zuerst dasDorf Villaron von den Franzosen genommen. Dann schritt Napoleon ,der mittlerweile an 30 000 Mann zusammengezogen hatte und um3 Uhr nachmittags selbst auf dem Gefechtsfelde eintraf, in vierKolonnen zum Angriff auf Montereau . Er warf die Württem-berger und eine bei ihnen befindliche österreichische Brigade, diezusammen kaum halb so stark und an Geschützen noch mehr unter-legen waren, über den Fluß zurück und brachte ihnen einen Verlustvon mehr als 4000 Mann und 2 Geschützen bei, während er selbstnur 2500 Mann einbüßte.

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So konnte er auf ein neues siegreiches Gefecht zurückblicken,und seine Hoffnungen und Ansprüche steigerten sich. Waffenstill-standsanträge, die Schwarzenberg unter Hinweis auf die inClMllon-sur-Seine stattfindenden Friedensverhandlungen an ihnrichtete, blieben daher erfolglos. Mißmutig entschloß sich derFürst, der eben noch Blücher getadelt hatte, weil er seine Armee-korps vereinzelt hatte schlagen lassen und der nun in denselbenFehler verfiel, zum Rückzüge in der Richtung auf Troyes , umdie Hauptarmee zu versammeln. Blücher wurde nach Mery-sur-Seine herangerufen.

Napoleons Pläne aber gewannen gleichzeitig an Umfang.Oudinot war bis Provins , Macdonald bis Bray gelangt. Der