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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Die Schlacht von «Lraonne am 7. März(S. Skizze 47)

Während des 4. und 6. März erschienen die Franzosen inallmählich anwachsender Stärke vor Soissons . Zum Teil be-gannen sie die Stadt zu bestürmen, die von den Russen erfolgreichverteidigt wurde; zum Teil setzten sie sich am Südufer der Aisne gegen Osten in Bewegung. Im Blücherschen Hauptquartier schloßman daraus, daß es Napoleons Absicht sei, weiter oberhalb, wahr-scheinlich bei Berry-au-Bac , den Fluß zu überschreiten, um vondort aus gegen Laon vorzudringen und die schlesische Armee vonihren natürlichen Verbindungen zu trennen.

Blüchers Entschluß stand sogleich fest; er hoffte, Napoleon hierdie entscheidende und den Krieg beendende Niederlage beibringenzu können. Die Aussichten dazu schienen in der Tat günstig. AnZahl war er den Franzosen um das Doppelte überlegen, wennauch dieses Mißverhältnis in seinem vollen Umfange damals nochein Geheimnis war. Wintzingerode, der mit seinem Korps derStraße BerryLaon am nächsten war, sollte diese sperren. Währenddie Franzosen im Kampfe gegen diesen General standen, gedachteder Alte mit der vollen Wucht seines Heeres ihnen über Craonnein die linke Flanke zu fallen. So wäre Napoleon von den Straßennach Paris getrennt und der kühne Umgeher selbst umgangenworden. Ein Rückzug über die stark angeschwollene Aisne hätteihm verhängnisvoll werden müssen.

Diesem Plane entsprechend, stellte Blücher feine Armee am6. März auf den Höhen nordöstlich Soissons mit einer gegenSüdosten gewendeten Front schlachtbereit auf.

Das Gelände hat dort eine eigentümliche Gestalt. Nördlichvon der Aisne , etwa eine deutsche Meile entfernt, fließt gleich-laufend nach Westen hin der sumpfige Lettebach in tief einge-schnittenem Tale. Zwischen Aisne und Lette erhebt sich, etwa100 Meter über die Talsohle emporsteigend, ein schroffer, vielfachgegliederter Bergzug mit zum Teil felsigen Rändern. Sein obererebener Rückeil ist nur schmal. Nach Nord und Süd steigen vonihm steile Bergarme zu den Flußläufen hinab. Dörfer, Wäldchenund Pflanzungen aller Art liegen dazwischen. Eine einzige breiteStraße,Route-des-dames", führt auf der Höhe entlang von Westennach Osten und führt zu dem Flecken Craonne hinab, bei dem der