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IV. Die Befreiungskriege
zelner Heerteile wird man unter Umständen, wie denen vom7. März, immer rechnen müssen. Sehen wir näher zu, so er-kennen wir einen Grundirrtum, an dem der ganze Schlachtplanlitt. Er paßte für einen Sommertag, nicht für den Winter. ImJuni oder Juli wäre Wintzingerodes Marsch leicht und selbst eineVerspätung um einige Stunden nicht verhängnisvoll gewesen.
Nun blieb nichts übrig, als auf die Entscheidung bei Craonnezu verzichten und sich dem für diesen Fall bereits vorgefaßtenPlane einer Versammlung der Armee zur Schlacht bei Laon zu-zuwenden. Nachmittags um 2 Uhr erließ Blücher die entsprechendenBefehle. Bülow war mit seinem Korps bereits nach Laon vor-ausgeeilt; die übrigen sollten dorthin folgen, Soissons leider ge-räumt werden. Im Hauptquartier hielt man eine dort zurück-gelassene Besatzung für allzu gefährdet. Inzwischen hatte Napoleon von Craonne aus die Russen auf dem steilen Plateau zwischenAisne und Leite heftig angegriffen. Er führte zunächst die KorpsNey und Victor, sowie die Kavallerie von Nansouty in den Kampf,vereinigte neben ihrer Artillerie noch 70 Geschütze zu einer großenBatterie und drängte lebhaft vorwärts. Um 1^ Uhr nachmittags ließSacken, nicht wissend, daß der große Flankenangriff der Wintzinge-rodeschen Kavallerie bereits unausführbar geworden sei, einen Hilfe-ruf an Blücher ergehen, der natürlich ohne Folge blieb.
Woronzow, der in vorderster Linie den Befehl führte, wehrtesich mit trotziger Tapferkeit. Als aber am Nachmittage der Kaisernoch Mortier und die Garden ins Gefecht führte, mußte er sich —etwa um 4 Uhr — zum Rückzüge entschließen. Dieser wurde dasSignal für Napoleon zum allgemeinen Angriff. Es war ein Glückfür die Verbündeten, daß er hierbei in dem von Schluchten undHängen durchsetzten Gelände seine Kavallerie, mit der er zumalvon Norden her zu umfassen gedachte, nicht wirksam zu verwendenvermochte. Ein Angriff Nansoutys auf der Südseite des Plateausschlug fehl. Schrittweise wichen die Russen von einer Querwelleder Hochfläche zur anderen und gingen erst gegen Einbruch derDunkelheit zum fließenden Rückzüge über, den sie dann, „ohne einRad zu verlieren", bewerkstelligten.
Der allgemeine Abmarsch auf Laon war damit im Gange,aber mit starken Verlusten erkauft. Von den 16000 Mann, welchedie Russen im Kampfe verwendeten, blieb ein gutes Drittel totoder verwundet auf dem Platze, bei den Franzosen von 21300