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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

die ersten Anzeichen für Blüchers nahe schwere Erkrankung bereitsfühlbar. Der Feldmarschall wurde von heftigem Fieber ergriffen.

Nichtsdestoweniger begab er sich, von seinem Stäbe umgeben,am 9. März früh auf die Südspitze des 100 Meter hohen Felsensvon Laon , von dem aus man die Umgebung weithin zu übersehenvermochte. Auf Stühlen sitzend wohnten die Führer der Schlacht bei.

Die Schlacht von Laon am 9. und ^0. März ^8^(S. Skizze 48)

Auf der Straße von Soissons kam Napoleon , auf der vonBerry über Corbeny Marmont heran. Beide hatten nur etwa 48 000Mann an der Aisne vereinigt. Der Kaiser nahm sich ursprüng-lich vor, auf seinen Marschall zu warten. Aber Marmont, der denweiteren Weg zurücklegen mußte, ließ in der Frühe nichts von sichhören. Er sollte den linken Flügel der Verbündeten beschäftigen,während der Kaiser den rechten und die Mitte bei Laon angriff.Voll Ungeduld aber verzichtete dieser schließlich auf die Unterstützung.Schon um 7 Uhr morgens ließ er Ney und Mortier den Kampf be-ginnen. Dichter Nebel bedeckte das Schlachtfeld.

Dennoch ließ sich in Blüchers Hauptquartier erkennen, daßdie Anstrengungen der Franzosen sich hauptsächlich gegen die Süd-front von Laon richteten, während sie sich gegen Wintzingerode nurmit schwachen Kräften sicherten. Die Einzelheiten waren schwerzu unterscheiden. Um die Dörfer Semilly und Ardon wurdeheiß gestritten. Soviel war klar, daß die Franzosen hier keineÜberlegenheit besaßen. An Wintzingerode und Bülow erging daherBlüchers Befehl zum Gegenangriff. Die Kavallerie sollte auf demrechten Flügel gegen die französische linke Flanke eingreifen. DerAusführung dieses wohlgemeinten Stoßes aber mangelte die not-wendige Energie und Einheitlichkeit. Es kam nur zu weiteremhin und her wogenden Kampfe um die nahe vor Laon gelegenenOrtschaften. Dabei machte sich fühlbar, daß das unübersichtlichewaldige, hügelige und sumpfige Gelände südlich der Stadt sichwenig für einen allgemeinen Gegenangriff großer Truppenmasseneignete. Im Blücherschen Hauptquartier entschloß man sich daher,ihn auf den linken Flügel zu verlegen, wo das Gelände freierwar. Dort erwartete man auch, des Kaisers Hauptkräfte er-scheinen zu sehen, und so versprach der Gegenstoß auf dieser Seite