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IV. Die Befreiungskriege
Wie einst in seinen besten Tagen selbst vorauszureiten, um miteigenen Augen zu sehen, schickte er nur Offiziere zur Erkundungab. Trotzdem befahl er Macdonald, beschleunigt heranzukommen.Marmont und Mortier wurden angewiesen, auf ClMons oderEpernay zu marschieren. Von Paris her waren neue Verstärkungennahe. Hartnäckig hielt er an der Vorstellung fest, daß die ver-bündete Hauptarmee vor ihm in vollem Rückzüge sei, und daß essich nur darum handele, ihr einen kurzen wirksamen Stoß zu ver-setzen, um sie darin zu erhalten. Später wollte er sie dann vonneuem bei Vitry überholen. Hierzu wünschte er alle Kräfte, überdie er noch verfügte, in der eigenen Hand zu vereinigen. Aucheine große Artilleriekolonne, die bei La Ferte-sous-Jouarre ein-getroffen war, erhielt den Befehl, auf Arcis weiterzumarschieren.Von einem Angriff großer feindlicher Kräfte südlich von Arcis warnoch nichts zu sehen.
In der Tat wurde dieser erst um 2 Uhr nachmittags möglich,als die Garden und Reserven von rückwärts her sich Wrede näherten.Auch jetzt noch war Kaiser Alexander, der sonst zum Vorgehendrängte, nicht mit dem Angriff einverstanden. Er glaubte anNapoleons Anschlag auf die rückwärtigen Verbindungen des Heeresund hielt ihn für bedenklich. Inzwischen war Ney durch Arcisvorgegangen, hatte die feindliche Übermacht entdeckt und war wiederzurückgewichen. Wrede folgte ihm und erreichte Torcy . Diefranzösische Kavallerie unter Sebastiani, durch die Überraschung inVerwirrung geraten, stürzte in die Stadt zurück, der Kaiser mitdem gezogenen Degen in der Hand, stellte sich ihr entgegen, undes gelang ihm, die Fliehenden aufzuhalten. Der Rückzug kamzum Stehen. Das zunächst gelegene Torcy le Grand, wo WredesTruppen schon eingedrungen waren, sollte wiedergenommen werden.Alles machte von neuem Front und ging vor. Ein heftiger, fünfStunden anhaltender Kampf, der sich bis tief in die Dunkelheit hin-einzog, entspann sich. Ja, er dauerte selbst während der Nachtsort, als zu guter Letzt eine russische Grenadierbrigade eingriff. AmEnde blieb Torcy-le-Grand in französischer Hand. Auch jetzt nochglaubte der Kaiser an den Rückzug der Verbündeten, der bei Torcy nur hatte gedeckt werden sollen, und den er nicht ungestraft vorsich gehen lassen wollte. Sein trotziger Wille mochte sich der Ein-sicht nicht beugen. Der Kaiser beließ sein schwaches Heer in dergefährlichen Lage vorwärts von Arcis, wo es im Halbkreise um