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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Napoleons gefährliche Lage

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die Stadt herum die Biwaks bezog. Die Befehle an alle Ver-stärkungen zum schleunigen Herankommen wurden wiederholt.

Noch bildeten die Verbündeten ihm gegenüber zwei getrennteGruppen. Der Kronprinz von Württemberg war erst spät abendsherangekommen und dazu noch viel zu weit westlich bei Les-Petites-Chapelles zwischen Barbuisse und Seine; denn um den Weg zukürzen, hatte er von Troyes aus die gerade Richtung gegen Plancy,sein ursprüngliches Marschziel, gewählt. Allein die Vereinigungder Verbündeten war jetzt durch den Feind nicht mehr aufzuhalten.Noch in der Nacht rief Schwarzenberg den Kronprinzen mit seinenTruppen zu sich heran, und am 21. 10 Uhr vormittags trafendiese neben Wrede zwischen Chaudrey und St. Remy ein. Aufengem Rauine war nunmehr die Hauptarmee versammelt. AlsNapoleon am Morgen nach Torcy vorritt, sah er dort nichts alsfeindliche Vorposten und befahl um 10 Uhr vormittags das all-gemeine Vorgehen. Bald aber entdeckte auch er, die flachen Höhenfüdlich Arcis hinansteigend, die dahinter aufmarschierte feindlicheArmee. Jetzt begriff er die ungeheure Gefahr, in die er sich mitdem Rest seiner Streitkräfte begeben hatte. Sogleich stand derkühne Entschluß bei ihm fest, die Bewegung anzuhalten und unterden Augen des übermächtigen Feindes den Rückzug durch Arcisanzutreten. Schnell wurde dort eine zweite Brücke geschlagen undder Abmarsch eingeleitet, den Oudinot decken sollte. Das Unter-nehmen gelang; denn Schwarzenbergs Angriffslust war in demAugenblicke gesunken, als er sich dem gefürchteten Kaiser auf den?Schlachtfelde gegenübersah.

Bald wurden französische Kolonnen sichtbar, die, am rechten .Aubeufer abmarschierend, sich in nordöstlicher Richtung bewegten.Eben erst, etwa um Mittag, war der Entschluß zum allgemeinenAngriff, der jedoch nicht vor 2 Uhr beginnen konnte, gefaßt worden.Nunmehr erhielt Wrede den Befehl, nach rechts abzurücken, umjenseits der Aube den Franzosen zuvorzukommen. Der Kronprinzvon Württemberg allein blieb im Vorgehen und griff an. Abendsum 6 Uhr war er nach lebhaftem Kampfe im Besitz von Arcisund Oudinot vor ihm auf das nördliche Ufer zurückgewichen. Dortfand dieser die Verbindung mit dem herangekommenen Macdonald.Der Kaiser brachte die Nacht in Sompuis zu. Es war ihmgelungen, den Kopf noch einmal aus der Schlinge zu ziehen, indie er ihn verwegen gesteckt hatte. Freilich waren seine Verluste