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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Beschluß der Verbündeten, auf Paris zu marschieren

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zwischen Vitry und St. Dizier, Kavallerie gegen Osten, Nordostenund Südosten vorgeschoben, der neuen Operationsrichtung ent-sprechend. Die andere Gruppe, Marmont, Mortier und Pacthod,war mit dem sehnlich erwarteten Park, von Kasaken umschwärmt,in der Gegend von Vertus und Sezanne angekommen. Ihre Ver-einigung hätte nur noch durch die Reihen der Verbündeten hindurchgeschehen können. (S. Skizze 51.)

Noch war es Schwarzenbergs Absicht, Napoleon zunächst überVitry zu folgen, und der Befehl dazu an die Armee erlassen. Aberdie denkwürdige Nacht war reich an wichtigen Meldungen, welcheendlich den Umschwung und die letzte Entscheidung bringen sollten.Von Tschernitschew und Tettenborn aufgefangene Schriftstücke ent-hielten Berichte an den Kaiser über die in Paris herrschende Un-zufriedenheit, den Wunsch nach Frieden, die Räumung von Kassenund Magazinen, die Gefahr für die Ruhe der Hauptstadt, wenndie Verbündeten sich nähern sollten und andere Anzeichen dernahenden Katastrophe. Dann wurde das Eintreffen der schlesischenArmee bei Reims und Chalons bekannt, die Verbindung bald so-gar tatsächlich hergestellt und Napoleons Verschwinden hinter Vitryentdeckt, so daß es unwahrscheinlich wurde, ihn noch einholen zukönnen. So gewauu der Gedanke derVölkerwanderung nachParis ", der früher nur bei der schlesischen Armee gehegt und ge-pflegt worden war, nun auch die Gemüter des großen Haupt-quartiers. Über die Person des eigentlichen und ersten Ur-hebers in dieser entscheidenden Stunde bestehen Zweifel, wie oft inAugenblicken, wo die gleiche Einsicht zur selben Zeit alle Köpfeerfüllt. Auf einem Hügel bei Vitry, wohin Schwarzenberg mitKönig Friedrich Wilhelm III. vorausgeritten war, um den Be-wegungen des Heeres zu folgen, und wo sie Kaiser Alexander nacheiner nochmaligen Prüfung der Lage im Hauptquartier Sompuis,ihnen nacheilend, erreichte, wurde endlich der erlösende Beschluß ge-faßt. Noch am Abend gingen aus Vitry die Befehle zum Marschgegen die feindliche Hauptstadt ab. Nur Wintzingerode mit etwa8000 Reitern sollte dem Kaiser folgen, um ihn. über den Abmarschder Heere zu täuschen. Die Würfel waren gefallen. Beide Armeenerhielten für den 28. März das Marschziel Meaux als Punkt derVereinigung angewiesen. So sehen wir sie am 24. abends bereitsmit dem Blick gegen Paris gewendet, die schlesische Armee mit dendrei russischen Korps bei Chillons-sur-Marne, mit den beiden Preußi-