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IV. Die Befreiungskriege
der auf Moskau. Ein Brief Napoleons an die Kaiserin, der vonseinen Absichten sprach, wurde aufgefangen und am 23. mittagsim Hauptquartier Pougy an der Aube nahe von Lesmont bekannt.Wohl wurde der Rückzug noch erwogen, aber nur, um bald end-gültig aufgegeben zu werden.
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Inzwischen war auch die schlesische Armee aus ihrer Erstarrungwieder zum Leben erwacht. Sie hatte die Aisne überschritten.Bülow zur Rechten schloß Soissons ein. Zur Linken ging Wintzinge-rode nach Reims vor. Die Mitte folgte den abziehenden Mar-schällen Marmont und Mortier zunächst in südlicher Richtung gegenChÄteau Thierry. Der kranke Feldmarschall war mit Mühe be-wogen worden, am 21. März nach Fismes überzusiedeln. Nochwollte er jedoch von Geschäften nichts wissen. Er trug sich mitdem Gedanken, den Feldherrnstab niederzulegen. Da kam die Nach-richt, daß Marmont und Mortier sich südwärts gewendet hätten,um zu Napoleon heranzurücken, der große Schläge gegen dieHauptarmee beabsichtige. Depeschen des Kaisers meldeten einenSieg bei Arcis, den er am 20. errungen haben wollte. DieseNachrichten schnellten Blüchers Tatkraft wieder empor, obgleich seineAugenentzündung noch mit voller Heftigkeit andauerte. Sogleichwar er entschlossen, der Hauptarmee Hilfe zu bringen, die ihnselbst zweimal im Stiche gelassen hatte. Die Klarheit der Ent-würfe war im Augenblick wiedergewonnen; die drei russischen Korps,die am weitesten östlich standen, sollten ohne Zögern auf Chs-lonsmarschieren, Jorck und Kleist über Ch^teau-Thierry in derselbenRichtung herangerufen werden. Unverzüglich begannen die Be-wegungen, und in der Nacht vom 23. zum 24. März, die Napo-leon in St. Dizier verbrachte, waren die beiden großen verbündetenHeere einander schon sehr nahe gekommen, der Kaiser aber vonseinen nachrückenden Verstärkungen bereits getrennt.
Die gesamte Hauptarmee stand westlich Vitry nahe vereint,ihr Hauptquartier in Sompuis. Von der schlesischen Armee hatteWintzingerode Chälons erreicht und seine Kavallerie bis nahe anVitry vorgeschoben. In Reims stand das Hauptquartier mit denKorps Sacken und Langeron, in Epernay Kavallerie. Jorck undKleist hatten CMeau-Thierry erreicht. Gegenüber lagerte die eineGruppe der französischen Kräfte unter dem Kaiser an der Marne