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IV. Die Befreiungskriege
höhte Tätigkeit gekommen. Am 20. März wurde er von neuemangegriffen und in der sogenannten Schlacht von Limonest unter schweren Verlusten geschlagen. Die Österreicher verlorenzwar an 3000 Mann, eroberten aber 20 Geschütze und brachendie Widerstandskraft des feindlichen Korps für die weitere Dauerdes Feldzuges. Noch in der folgenden Nacht wurde Lyon vonAugereau geräumt, und dieser ging weiter hinter die Jsere zurück.Der Erbprinz von Hessen-Homburg folgte ihm bis Vienne.
Bubna, nunmehr aus der Umklammerung befreit, ging seiner-seits bis Chambery vor. Augereau stellte sich noch einmal beiValence auf, und der Erbprinz bereitete einen neuen Angriff gegenihn vor. Doch kam es nicht mehr dazu. Augereau hatte sich derihm zugedachten Rolle nicht würdig erwiesen. Ihm fehlten fürdiese vielleicht die Fähigkeiten, bestimmt aber die Charaktereigen-schaften. In einer so ernsten, gefahr- aber auch verheißungsvollenLage, wo es gilt, eine halbverlorene Sache zu retten, bilden sieaber gerade die erste aller Notwendigkeiten. Der Kaiser hätteihn kennen und daher nicht wählen sollen. Wieviel gerade aufdiesem Kriegstheater zu erreichen gewesen wäre, wenn ein scharf-blickender und tatenlustiger Feldherr mit Energie gehandelt unddas Heranziehen der italienischen Armee durchgesetzt hätte, ist leichtzu ermessen. Man hat sich dabei nur die latenten Rückzugsgedankenzu vergegenwärtigen, die das große Hauptquartier der Verbündetenbeherrschten. Ein kräftiger Stoß der Franzosen , von Süden herunternommen, hätte diesen leicht zum Siege verholfen.
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Jn Italien hatten sich während des Monats Januar 1814der österreichische General Bellegarde mit 47 000 und der Vize-könig Eugen mit 41000 Mann an der Etsch beobachtend gegen-übergestanden, ohne Ernsteres zu unternehmen. Beide wartetenab, was Murat tun werde, der gegen Ende des unglücklichen Feld-zuges in Deutschland, nach Neapel zurückgekehrt war, um sich seinKönigreich auf alle Fälle zu sichern. Er verhandelte mit Österreich sowohl wie mit den Engländern, in deren Gewalt sich das nochvon den Bourbonen beherrschte Sicilien befand. Am 11. Januargelang es ihm, einen Bündnisvertrag mit Österreich zum Abschlußzu bringen, und sogleich erklärte er die Besitzergreifung Italiens bis zum Po, begann auch mit seinen neapolitanischen Truppen