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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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Augereau auf dem südöstlichen Kriegsschauplatze 449

Schwarzenberg faßte die Bildung einer besonderen Südarmee beiDijon unter dem Erbprinzen von Hessen-Homburg ins Auge, undmit Zustimmung der Monarchen wurden das 6. deutsche Bundes-korps, das 1. österreichische, Teile des 2. und noch andere öster-reichische Truppen für diesen Zweck bestimmt. Im ganzen solltedie Südarmee an 40000 Mann, darunter 7000 Reiter, zählen,eine hinreichend starke Streitmacht, um Augereau, dessen gesamteKräfte auf 27 000 Mann stiegen, entscheidend zurückzuwerfen. Frei-lich wurden sie ebenso überschätzt, wie ihr Führer, von dem manBedeutendes erwartete. Auch der Prinz von Hessen-Homburg warkein Feldherr von Beruf, und man wußte dies im verbündetenHauptquartier nur zu gut. Aber er war der rangälteste General,und diese persönliche Rücksicht wnrde leider nicht beiseite gesetzt.

Trotz Napoleons Drängen nahm Augereau seine bald insStocken geratene Vorwärtsbewegung von Lyon und Macon gegenGenf und das Waadtland erst am 27. Februar wieder auf.

Bubna wurde in den ersten Tagen des März durch eine Reihevon Gefechten bis unter die Kanonen von Genf zurückgedrängt unddas Jura-Grenzfort L'Ecluse genommen. So war er fast gänzlichumschlossen und erwog fchon die drohende Notwendigkeit einerKapitulation, als Augereau ihn selbst aus dieser üblen Lage be-freite. Der Marschall rief von Lons le Saunier einen Teil seinerTruppen zurück, ehe er den sicheren Erfolg bei Genf erreicht hatte,um sich nunmehr dem Entsatz von Besanyon zuzuwenden. In-zwischen aber hatte am 3. März endlich auch der Vormarsch derösterreichischen Südarmee begonnen, und Augereau wich vor ihrvon Lons le Saunier über Bourg auf Lyon zurück, nicht ohnedaß eine seiner Kolonnen dabei in ein nachteiliges Gefecht ver-wickelt wurde. Bei St. Georges-de-Reneins, 35 Kilometer nörd-lich von Lyon, versammelte der Marschall einen Teil seiner Kräftezum Widerstande. Die Südarmee machte am 12. ihm gegenüber,auf Grund von Nachrichten, daß er Verstärkungen erhalten habe,bei Macon zunächst Halt. Erst nach drei Tagen ging sie wiedervor und griff ihn am 18. März bei St. Georges an. 12000Franzosen wurden von 26000 Österreichern, die dabei 23 Offiziereund 1400 Mann einbüßten, geworfen. Augereau ging weiter zu-rück und stellte sich mit seiner gesamten Macht dicht nördlich vonLyon nochmals auf.

In die Südarmee aber war durch den Erfolg eine etwas er-

Frhr, v. d. Goltz , Kriegsgeschichte 29