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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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455
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Der Herzog von Weimar und Bernadotte

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stens dem Scheine nach, gerecht werden. Die französischen Festungs-besatzungen durchbrachen auch zum Teil die schwachen Einschließungs-truppen, ohne sich jedoch weiter fühlbar zu machen. Am 8. Märzführten die Engländer ein energischeres, aber unüberlegtes Unter-nehmen gegen Bergen-oP-Zoom aus, das einen verhängnisvollenVerlauf nahm. Der Tag des Unternehmens wurde von langer Handfestgesetzt, der Besatzung das ihr Bevorstehende auch noch durchandere unzweckmäßige Maßregeln verraten. 8000 Mann Infanterieund 1000 Reiter in vier Kolonnen drangen trotzdem in den Platzein und nahmen den größten Teil der Basteien, wurden aber vonden wieder vorgehenden Verteidigern am Ende geworfen und mehrals 2000 Mann gefangen genommen. Der Gesamtverlust betrugan 4000 Mann, und erreicht war nichts.

Am 12. März stieg des Herzogs von Weimar Streitkraftdurch Eintreffen neuer Landwehrtruppen auf 27 000 Mann In-fanterie, 3200 Reiter und 45 Geschütze. Einige Zeit danach stelltenauch die Engländer schwere Artillerie zur Verfügung, und nunkam es zu einem Versuch gegen Maubeuge , das für einen etwanotwendig werdenden Rückzug der schlesischen Armee von Wichtig-keit war. Aber es fand nur eine vergebliche Beschießung statt,und der Platz blieb in französischer Hand. Wieviel mehr hättedas starke und noch vollkommen frische Korps um diese Zeit aufdem Hauptkriegsschauplatze leisten können. Der Herzog verlangteauch, vom Kronprinzen von Schweden abgelöst zu werden, aberdieser verweigerte es mit dem Hinweis auf eine Volkserhebungin Norwegen. Mittlerweile hatte sich die Besatzung von Ant-werpen durch energische Ausfälle fühlbar gemacht, und zu Endedes Monats vereinigte sich sogar eine dort stehende Divisionmit dem über Gent wieder vordringenden General Maison, derdann unter glücklichen Gefechten am 31. März bei Courtray denunvorsichtig anrückenden General Thielmann vom WeimarschenKorps unter Verlust von etwa 2000 Mann zurückwarf. So sahsich der Herzog auch durch die kriegerischen Vorgänge wieder ge-bunden und zog nunmehr ansehnliche Kräfte in der Linie TournayMons zusammen, während sich Maison ihm gegenüber bei Douayausstellte. Entscheidendes schien sich vorbereiten zu sollen, dochauch hier kam es nicht mehr dazu.

Das gesamte Bild dieses niederländischen Krieges ist einBeweis, daß der Mangel an einheitlichem Willen das größte aller