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IV. Die Befreiungskriege
den Niederlanden , lahmzulegen vermocht. Er trug wohl die Haupt-schuld daran, daß die Zersplitterung der feindlichen Kräfte, dieNapoleon wiederholt mit Recht getadelt hatte, nicht besser ausgenutztwurde, und daß auch die Rüstungen in den Niederlanden zur eigenenBefreiung nur sehr langsam vor sich gingen.
Der Herzog von Weimar stellte sich unter Beobachtung vonAntwerpen , das auf der Nordseite durch die Engländer Grahamsüberwacht wurde, mit seinen Hauptkräften bei Brüfsel auf. Ver-einzelte Abteilungen bildeten gegen Frankreich hin eine ausgedehnteKordonstellung zwischen Courtray und Mons. Nur Unternehmungendes Kleinkrieges wurden betrieben, zumal eine Reihe unzusammen-hängender Versuche gegen die zahlreichen kleinen festen Plätze undPosten der Franzosen .
Langsam kam die schwedische Armee durch Westfalen heran.Bernadottes Verhalten blieb nach wie vor zweideutig. Am 12. Fe-bruar erließ er von Köln aus einen Aufruf an die Franzosen.Seine Gedanken waren aber zugleich auf die Sicherung des eigenenLandes und den Gewinn von Norwegen gerichtet. Es winkte ihmauch die ferne Möglichkeit, den französischen Thron nach desgroßen Kaisers Sturz zu besteigen, und er durfte deshalb für dieSache der Verbündeten nicht ganz untätig bleiben, andererseitsaber die Franzosen nicht empfindlich schädigen, um sie sich nichtabgeneigt zu machen. Mit Napoleon und den Bourbonen knüpfteer mittelbare Verbindungen an. Die Entlassung der meistenTruppen aus dem alten Verbände der Nordarmee gab ihm wiedereinen gelegenen Vorwand für die Untätigkeit. So blieb die immer-hin nicht unbedeutende und ganz frische schwedische Armee von26600 Mann ohne jede merkliche Einwirkung auf die kriegerischenVorgänge. Sie setzte ihren Schneckengang in der Richtung aufLüttich fort, wo sie zu Anfang des Monats März eintraf. Zu-letzt rückte ihr auch Wallmodens Korps noch nach, das den Auf-trag erhielt, Venloo und Maastricht einzuschließen, sich später abergegen Mecheln zu wenden.
Der Herzog von Weimar war inzwischen nach Tournay vor-gegangen, wo er einen Befehl des Zaren erhielt, der ihn mit seinemKorps der schlesischen Armee zuteilte, ein Befehl, der zunächstnatürlich unausführbar war.
Ein matter Vorstoß Maisons über Courtray auf Oudenaarde sollte wohl Napoleons ungestümem Verlangen nach Tätigkeit, wenig-