Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
453
Einzelbild herunterladen
 

Der Krieg in den Niederlanden

453

gedrungen unbeachtet lassen. Bis in den März hinein gingen sieihm mehrfach erneut zu. Der Kaiser rechnete an 25 000 Mannheraus, die er zusammenbringen könnte, ohne daß sie wirklichvorhanden oder verfügbar waren. Napoleon hatte sich zu sehrdaran gewöhnt, mit großen Verhältnissen und großen Zahlen zurechnen, um den richtigen Blick für seine gegenwärtige Lage ge-winnen zu können. Wie einst auf den Eisfeldern von Rußland ,sprach er auch hier von Armeen, die tatsächlich nur dem Namennach existierten. Am 20. Februar war inzwischen Gorkum, aufdessen Gewinn Bülow so großen Wert gelegt hatte, in die Händeder Verbündeten übergegangen, und das 3. deutsche Bundes korpshatte sich allmählich bis auf 24000 Mann verstärkt. EtwasErnstes hätte jetzt geschehen können, allein verworrene Verhältnisseder Führung duldeten es nicht. Oberbefehlshaber war an Ort undStelle der Herzog von Weimar . Aber auch der Kronprinz vonSchweden erhob aus der Ferne Anspruch auf die entscheidendeLeitung. Am 31. Januar hatte er aus Buxtehude geschrieben,daß er nach der Ratifikation des Friedens mit Dänemark zur Ent-scheidung in Frankreich herankommen würde, wohin bekanntlich eingroßer Teil seiner Armee nach und nach schon abgerückt war.Auch weiterhin gefiel er sich in der Rolle eines höchsten Befehls-habers. Ebenso griffen Kaiser Alexander und König FriedrichWilhelm HI. ein. Der niederländische Oranier fühlte sich mehrund mehr als Herrscher im Lande und suchte die ihm lästigenpreußischen Truppen, die noch darin standen, zu entfernen. Ererachtete sie für unnötig. Dann erschien am 11. März in BrüsselFreiherr v. der Horst, früherer preußischer Landwehrmajor, durchden Reichsfreiherrn vom Stein abgesandt, um die Leitung der Zivil-verwaltung, und von österreichischer Seite der FeldmarschalleutnantMurray, um die Militärorganisation Belgiens , des ehemaligen öster-reichischen Besitzes, in die Hand zu nehmen. Er nannte sich komman-dierender General der belgischen Truppen, die erst entstehen sollten,und machte, was bis dahin für die Landesbewaffnung geschehen war,wieder rückgängig, um von neuem anzufangen. Die bei dem Herzogvon Weimar zurückgebliebenen preußischen Truppen standen außer-dem noch mit ihrem kommandierenden General Bülow in Ver-bindung, der von ihnen verlangte, daß sie ihm mehr gehorchensollten, als den anderen Befehlshabern. Dieser heillose Wirrwarrhätte auch eine stärkere Streitmacht als die der Verbündeten in