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IV. Die Befreiungskriege
Claye unerwartet vom Feinde überfallen und geworfen. Mehreretaufend Mann leisteten dort noch einmal hinter dem Orte in guterStellung Widerstand und zogen erst nach längerem Gefecht aufParis ab. Die schlesische Armee kam abends bis Meaux . Bülow,der inzwischen die Belagerung von Soissons eröffnet hatte, er-hielt Befehl, über Nanteuil le Haudouin gegen die Hauptstadt zumarschieren.
Die Hauptarmee blieb an diesem Abend noch hinter Meaux und Lagny zurück, da die Brücken von Trilport noch die ganzeNacht hindurch von der schlesischen Armee zum Übergange be-nutzt wurden.
Auf diese Art fanden die französischen Marschälle ihre Straßenach Paris hin frei; Mortier gelangte bis Guignes, Marmont bisMelun. Zwar standen sie im Augenblick noch weiter von Paris entfernt als die Preußen bei Claye; dennoch sollten sie zur Zeitkommen, um die Hauptstadt zu schützen. Kein militärischer, wohlaber ein politischer Grund brachte es zu einer neuen Verzögerungbei den Verbündeten. Kaiser Alexander wollte als der Erste inParis einziehen, um Europa sichtbar als der Befreier vom Jochdes Tyrannen zu erscheinen. Die schlesische Armee mußte daher dieStraße räumen, auf der sie sich jetzt vor der Hauptarmee befandund dieser den Vortritt lassen. Sie wurde am 29. März auf dieStraße von Soissons gesetzt, die über Gonesse auf Paris führt.Von Meaux her zogen die Monarchen mit der Hauptarmee an ihrvorüber. So hatten denn auch die preußischen Truppen Gelegen-heit, ihren König zum ersten Male in diesem mühevollen und ver-lustreichen Feldzuge zu sehen, wenn auch freilich nur vorüberreitend.Die Hauptarmee gelangte mit der Spitze bis Pantin dicht vorParis, aber viele ihrer Truppen waren noch zurück bei Meaux .Von der schlesischen Armee blieb Sacken bei Trilport, und zwarmit der Front nach Osten gewendet gegen ein etwaiges HeranrückenNapoleons , von dem fälschlich gemeldet wurde, daß seine vorderstenTruppen schon Sezanne erreicht hätten.
Napoleon war, wie wir wissen, noch fern; Marmont undMortier aber erreichten Paris und begannen sich östlich und nörd-lich in Schlachtordnung aufzustellen, ohne daß die Verbündetendavon Kenntnis erhielten. Sie hatten für den 30. den Angriffbeschlossen, und zwar sollte die schlesische Armee den Montmartreauf der Nordseite, die Hauptarmee die Höhen von Belleville auf der