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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Die Verbündeten vor Paris

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Ostseite nehmen. Sacken und Wrede den Angriff gegen Napoleon schützen. Kaiser Alexander übernahm persönlich den Oberbefehl undrichtete eine Proklamation an die Bevölkerung der Hauptstadt.

In Paris waren vor dem Eintreffen der Marschälle nur ganzschwache Kräfte vorhanden gewesen; sie bestanden in einigen tausendMann unfertiger Truppen. König Joseph, Napoleons Bruder,von Spanien zurückberufen, führte dem Namen nach den Ober-befehl. Die Nationalgarde war aufgeboten, aber noch nicht ver-sammelt und auch nur teilweise mit Gewehren aller Art bewaffnet.Im Januar hatte der Kaiser verspätet die Umwandlung von Paris in einen festen Platz befohlen und dabei großzügige Anforderungenerhoben. Allein die Ausführung wurde nur matt betrieben, undes war auch jetzt noch nichts Nennenswertes geschehen. AufNapoleons Geheiß verließ die Kaiserin mit ihrem Söhnchen, demKönig von Rom, die Hauptstadt, um sich nach der Loire zu be-geben. Auch alle Behörden und Staatswürdenträger sollten sichdorthin zurückziehen, aber dieser Teil des kaiserlichen Befehls kamnicht mehr zur Ausführung. Die Aufstellung Marmonts dehntesich von Montreuil bis La Billette aus und umfaßte hauptsächlichdie Höhen von Belleville , die sich vor der östlichen Stadtmauererhoben. Weiter südlich stand nur Kavallerie. Das Schloß vonVincennes sowie die Brücken-Tambours an der Marne hatten ge-sonderte Besatzung. Die Stellung war von Natur wohl stark,aber die Kräfte reichten zur Verteidigung nicht aus. Der Mar-schall hatte nur noch 11700 Mann mit sich gebracht, die eineFront von etwa 5 Kilometern einnahmen. Links von ihm standMortier mit 10 000 Mann, welche den Montmartre und die un-mittelbar vor der Stadtmauer liegenden Dörfer La Chapelle undLes Batignolles besetzten, die sie zur Verteidigung einrichteten.Neben ihm bei Monceaux und hinter ihm an der Stadtmauerstanden noch Nationalgarden und Depots.

Alles in allem verfügte König Joseph über 42 000 Mannmit 154 Geschützen. Eine erdrückende Übermacht von mehr als100000 Mann, welche die Verbündeten heranführten, raubte ihmdie Aussicht auf den dauernden Erfolg. Nur eine wirklich be-festigte Hauptstadt hätte sich unter diesen Umständen ohne denKaiser halten und von diesem sich selbst überlassen werden können.Bitter strafte sich der erste große Fehler Napoleons , den er auspolitischen Gründen in diesem Feldzuge begangen, jetzt nochmals in der