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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Stunde der letzten Entscheidung. Hätten die Verbündeten den29. März nicht unbenutzt verstreichen lassen, so wäre es überhauptzu keinem ernsten Kampfe mehr gekommen.

Die Schlacht von Paris am 30. März(S. Skizze 54)

Die Verbündeten gingen am 30. März früh in drei großenKolonnen zum Angriff vor. Rechts sollte die schlesische Armeesich gegen Mortier wenden, in der Mitte die Russen und diepreußische Garde der Hauptarmee, dem Namen nach unter Barclays Oberkommando, tatsächlich unter des Prinzen Eugen von Württemberg kräftiger nnd umsichtiger Führung, über Pantin und Romainvillegegen die Höhen von Belleville . Zur Linken war der Kronprinzvon Württemberg mit seinem und dem österreichischen Korps Gyulaigegen Vincennes und die flachen Höhen, die sich nach Süden biszur Marne und Seine erstrecken, in Bewegung. Die Monarchenbegleiteten die mittlere Kolonne. Gedacht war der Angriff derart,daß er in der Front und auf den Flügeln der französischenStellung gleichzeitig, und zwar auf beiden Seiten umfassend, durch-geführt werden sollte. Die Befehle waren indes so spät ergangen,daß die schlesische Armee sie nicht mehr zur Zeit empfing. Die zudurchmessenden Räume waren zudem so wenig richtig in Betrachtgezogen, daß der Kronprinz von Württemberg am Vormittage beiVincennes überhaupt nicht eintreffen konnte. So kam es, daß dieMitte zunächst an den Feind geriet und einen stundenlangenschweren Kampf zu führen hatte, ehe die Flügel kräftig einzugreifenvermochten. Leider hatten überdies die Russen am späten Abenddes 29. März noch Pantin und Romainville geräumt, weil siesich dort für zu gefährdet erachteten. So mußte am nächstenTage bei beiden Orten, deren die Franzosen sich wieder be-mächtigen wollten, lebhaft gestritten werden, ehe die Hauptstellungangegriffen wurde. Als sich General v. Katzeler am frühen Morgendes 30. mit der Avantgarde der schlesischen Armee der eisernenKanalbrücke von Pantin näherte, hörte er von dort her Kanonen-donner und fand die Russen im Kampfe mit den vorgehendenFranzosen. Sie vermochten einstweilen nicht, über Pantin vorwärtszu kommen. Dagegen gelang es ihnen, das hochgelegene Romain-ville, dessen Wichtigkeit Prinz Eugen von Württemberg rechtzeitig