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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Landung Napoleons bei Cannes. Sein Zug nach Paris

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aufzutreten. Er mußte sich zur Rolle des konstitutionellen Monarchenbequemen, um erst festen Fuß im Lande zu fassen. Dies veran-laßte ihn zu eifrigen Friedensversicherungen, die jedoch keinenGlauben mehr fanden. Das alte Mißtrauen gegen ihn wurde nochverstärkt durch den unzeitigen Losbruch seines Schwagers Murat,der sich, um die Treulosigkeit vom vorigen Jahre wieder gutzumachenund zugleich aus Furcht, daß ihm sein Königreich durch den Kongreßentzogen werden würde, jetzt übereilt für ihn erklärte und zumAngriff auf Österreich schritt. Er verfügte über eine Armee von94000 Mann, und dies schien dem Unbesonnenen hinreichend, umeine große Rolle in der neu bevorstehenden europäischen Krisis zuspielen. Am 28. März begann er von Ancona aus den Vormarsch,und zwei Tage darauf fielen bereits die ersten Feindseligkeiten aufitalienischem Boden vor. Nun war an ein Aufhalten nicht mehrzu denken.

Den ersten Entwurf für den Einmarsch nach Frankreich hin-ein legte Wellington den Monarchen noch in Wien vor. Es seikeine Zeit zu verlieren. Gegen den 1. Mai wollte er mit den bisdahin verfügbaren Kräften, die auf etwa 200 000 Mann berechnetwurden, die Grenzen Frankreichs überschreiten. Drei Armeensollten gebildet werden, die erste, die englisch -niederländische unterseinem eigenen Oberbefehl, um zur Rechten über Maubeuge , Avesnes,die zweite, Blücher mit den Preußen, um in der Mitte überChimay und Rocroi vorzugehen, während zur Linken, von derMaasftrecke SedanDun aus, Schwarzenberg mit Österreichernund Bayern eindringen würde. So sollte der gemeinsame Marschauf Paris beginnen, während die übrigen nach und nach auf-zubringenden Kräfte, etwa noch 300 000 Mann, in zweiter Liniefolgten.

Die Ratgeber, die zur Vorsicht mahnten, und denen diesmalsich auch Gneisenau anschloß, gewannen indes die Oberhand. Erstsollte eine überwältigende Streitmacht von rund 650000 Mannaufgebracht werden, um dann, wie im Jahre 1814, konzentrischgegen die französische Hauptstadt vorzurücken. Man rechnete dabeiin großen Zahlen: 100000 Engländer, Deutsche und Niederländer,sowie 120000 Preußen unter Blücher auf belgischem Boden,150 000 Russen unter Barclay am Mittelrhein , 220 000 Öster-reicher unter Schwarzenberg am Oberrhein, 60000 Österreicher undSardinier an der Piemontesischen Grenze. Der Beginn der Ope-