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IV. Die Befreiungskriege
Überblickt man die Lage in der nun kommenden Nacht, sonehmen sich die Dinge für des Kaises Beginnen noch recht günstigaus. Auch in seinem Heere war es nicht ohne Reibungen ab-gegangen. Dort hatte Vandamme, der frühmorgens um 3 Uhrschon marschieren sollte, den Befehl nicht erhalten, sondern warerst um sechs aufgebrochen, aber dennoch hatte der Angriff aufCharleroi noch überraschend gewirkt. Die rechte Kolonne war nichtüber ClMelet hinausgekommen, die Garde stand noch bei Charleroi .Trotzdem konnte Napoleon zufrieden sein. Von Wellingtons An-ordnungen war bis dahin noch nicht viel wirksam geworden, undinfolge des Zurückbleibens von Bülow dehnte sich zur Zeit dieLinie der verbündeten Truppen noch immer von Ath bis Lüttich ,das heißt über eine Strecke von vier starken Tagemärschen aus,und mitten vor dieser langen Front stand der Kaiser mit eng ver-sammelten Kräften zum Durchbruche bereit. Freilich waren Quatre-Bras und Sombreffe nicht genommen worden. Beides hätte sicham 15. bereits erreichen lassen, wenn die alte Energie noch dieBewegungen der Franzosen beherrschte.
Nun war es dringend erforderlich, daß dies wenigstens am16. in voller Frühe geschah. Aber die ersten Morgenstunden ver-gingen ohne entscheidende Anordnungen. Zwischen 8 und 9 Uhrgab der Kaiser Befehle, durch welche seine Unterführer über seineEntschlüsse aufgeklärt wurden. Er bezeichnete es als allgemeinenGrundsatz für den bevorstehenden Feldzug, daß er die Armee inzwei Flügel und eine Reserve teilen wolle. Der rechte Flügelsollte von Grouchy geführt werden und sich aus den Korps Van-damme und Gerard, sowie der Kavallerie von Pajol, Excelmansund Milhaud zusammensetzen, um nach Gembloux vorzugehen undden Stand der Dinge beim Blücherschen Heere aufzuklären. Denlinken Flügel behielt Ney mit den Korps Erlon und Reille sowieder Kavallerie von Kellermann. Auch eine Garde-Kavalleriedivisiongab ihm der Kaiser noch mit, so daß er im ganzen über 50000Mann, darunter 9000 Reiter, verfügte. Ihm ward der Auftrag,zunächst eine Stellung vorwärts von Quatre-Bras zu nehmen. DieReserve, Garden und das Korps Lobau unter des Kaisers eigenemBefehl würden je nach den einlaufenden Nachrichten sich nach dereinen oder anderen Seite in Bewegung setzen. Für das Wahr-scheinliche hielt Napoleon , daß er zu Ney heranrücken und mitdiesem gemeinsam auf Brüssel werde vorgehen können. Er glaubte