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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

2. Korps, Zieten und Pirch, noch verfügbar war, zum Gegenangriffnach Süden hin ein. Dieser aber brach sich am Widerstande derneben Vandamme eingetroffenen Garden. Napoleon hatte erfahren,daß Vandamme sich getäuscht und daß es Erlon gewesen sei, dener für einen Feind gehalten. Er beschloß also, den Durchbruch mitseinen Garden und dem mittlerweile herangerückten Korps Lobaununmehr wieder aufzunehmen. Der Sorge um seine linke Flankewar er ledig; rechts befanden sich Tongrinelle und Potriaux inGrouchys Händen. Dieser hielt Thielmann in Schach . So schiender rechte Augenblick für den letzten großen Schlag gekommen.

Die Artillerie der Garde hatte den Angriff auf Ligny ein-geleitet. In zwei großen Kolonnen war die Infanterie in dasDorf eingedrungen und hatte in Gemeinschaft, mit Gerard auchden nordwestlichen Teil desselben genommen. Das 1. und 2.preußische Korps waren zu erschöpft, um nochmals einen Gegen-stoß zu führen, und die 12. Brigade erschien noch nicht bei Som-breffe. Die beste Entlastung für die schwer ringende Hauptmasseder preußischen Armee wäre ein Offensivstoß Thielmanns gegenGrouchy gewesen; er hätte den französischen Angriff wahrscheinlichzum Stehen gebracht. Aber Thielmann ließ sich, zumal durch diezahlreiche vor seiner Front erschienene Kavallerie täuschen. Er be-schränkte sich auf die Verteidigung, und Blücher, der am anderenFlügel hielt, übersah die Lage beim 3. Korps nicht genau genug,um eingreifen zu können. So vermochten die Franzosen in dichtgedrängten Massen in den inneren Raum des Dörfervierecks ein-zudringen. Blücher sah sie kommen, raffte alle erreichbare Kavalleriezusammen und warf sich ihnen entgegen. Aber drüben traf geradeauch die Gardekavallerie und das 4. Kavalleriekorps ein, und einwilder hin und her wogender Reiterkampf entspann sich, in dem sichdie Wage zu gunsten der französischen Übermacht senkte. Immer-hin wurden die Sieger so lange aufgehalten, daß der rechte Flügelder preußischen Armee vor Vandamme ans Brye zurückweichenkonnte, und der völlige Durchbruch nicht gelang.

Die Truppen des 1. und 2. preußischen Korps sammeltensich nun, aus dem heißen Kampfe zurückkehrend, auf den Höhenhinter Brye und Sombreffe, wo jetzt die 12. Brigade eingetroffenwar, aber nur noch den Rückzug decken konnte. Die beiden Dörferwurden gehalten, und selbst als in der Dunkelheit Teile von ErlonsKorps noch auf dem Schlachtfelde erschienen, kam es zu keiner