Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
493
Einzelbild herunterladen
 

Napoleon durchbricht Blüchers Stellung

493

Verfolgung. Erlon war von Ney, der Napoleons an jenen er-lassenen Sonderbefehl nicht kannte, gegen Quatre-Bras hin zurück-gerufen worden und erst am späten Abend nochmals nach rechtseingeschwenkt. So war es gekommen, daß er zwischen den beidenSchlachtfeldern, auf denen um Frankreichs neue Größe gekämpftwurde, hin und her marschierte, ohne sich auf einem derselben fühlbarzu machen, wo er voraussichtlich die Entscheidung gegeben hätte.

Die beiden geschlagenen preußischen Korps begannen in derNacht in nördlicher Richtung zurückzufluten. Dem Rückzüge mußtenun eine bestimmte Richtung gegeben werden und ein folgenschwererEntschluß trat an das preußische Oberkommando heran. DemFürsten war im Gewühl des Kavalleriekampfes der schöne englische Schimmel, den er ritt, unter dem Leibe erschossen worden, und dasstürzende Pferd fiel auf ihn. Sein treuer Adjutant Nostiz, dersich neben ihm befand, vermochte allein nicht ihn zu befreien. ZumGlück erkannten die vorbeijagenden Franzosen den Gestürzten inder Dunkelheit nicht mehr. Preußische Hilfe kam heran. Blücherwurde auf ein anderes Pferd gehoben und konnte sich so dem all-gemeinen Rückzüge anschließen. Gneisenau hatte ihn aus dem Augeverloren und mußte sich an seiner Statt entscheiden. Schnell tater es, und zwar für den Rückzug auf Tilly. Heute, wo wir dieFolgen kennen, erscheint der Entschluß uns einfach und naheliegend.Aber in der damaligen Ungewißheit war er außerordentlich schwer;denn die bisherigen Verbindungslinien der Armee nach dem Rhein hin wurden damit aufgegeben. Die preußische Armee stützte sichvon nun ab nur auf Wellingtons Heer und die Küste. WelcheEinwirkung Napoleons Sieg auf die verbündeten Feldherren aus-üben würde, ließ sich aber im Augenblick nicht übersehen; vonQuatre-Bras her fehlten die Nachrichten. Man wußte also nicht,was dort vorgefallen war. Das alles hätte bedenklich machenkönnen und die Rücksicht auf die Sicherheit der Aussicht auf einenunsicheren Erfolg voranstellen lassen. Nichts hatte Gneisenau beirrt.

Die Ausführung entsprach dem Entschluß. Sogleich ließ erdie Römerstraße absperren, um das Abfluten der Armee gegenNordosten zu verhindern. Versprengte wandten sich dorthin; frei-lich waren es wohl an 8000 Mann. Aber die Masse kam in diegewollte Richtung. Bei Brye und Sombreffe wurde der Kampfnoch bis Mitternacht fortgeführt, Brye erst um 3 Uhr morgensgeräumt. Um dieselbe Zeit zog Thielmann nach Gembloux ab.