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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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495
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Blüchers Rückzug auf Wavre. Napoleons Ausgabe 495

Dort schloß sich ihm auch Erlon mit dem größten Teile seinesKorps an. Das Treffen war unentschieden geblieben.

Napoleons Aufgabe nach der Schlacht von Ligny wäre esgewesen, den geschlagenen Gegner kräftig zu verfolgen, ihn öst-lich abzudrängen und so zu schwächen, daß es für eine Zeit-lang genügte, ihn durch einen Heerteil nur beobachten zu lassen,während der Kaiser selbst sich mit der Hauptmacht dem zweitenFeinde, der Armee Wellingtons, zuwandte. Dadurch hätte nach-geholt werden können, was bisher versäumt worden war. Aberder Kaiser blieb nicht auf dem Schlachtfelde, sondern kehrte nachFleurus zurück, und die Nacht verging, ohne daß eine Verfolgungangeordnet wurde. Die Armee ruhte auf der Wahlstatt.

Am 17. Juni zwischen 8 und 9 Uhr morgens begab sichNapoleon von Fleurus im Wagen dorthin. Es folgte zunächsteine genaue Besichtigung des Kampfplatzes bei St. Amand unddann eine lange Unterhaltung mit Grouchy und Gerard überinnerpolitische Dinge. Nur Pajol wurde mit einer Kavallerie-division auf der Straße nach Namur vorgeschickt und meldete, daßdie Preußen bei Gembloux stünden, wo sich bekanntlich ThielmannsKorps nach der Schlacht gesammelt hatte. Kostbare Stundenwaren verstrichen. Erst um die Mittagszeit übergab der Kaiseran Grouchy den Oberbefehl über die Korps von Vandamme undGerard, sowie das Kavalleriekorps Excelmans und beauftragte ihn,die Preußen zu verfolgen, deren Niederlage zu vervollständigenund sie niemals aus dem Auge zu verlieren. Ein schriftlicherBefehl gab ihm hierfür die bestimmte Richtung auf Gembloux an.Der Kaiser selbst wollte mit den übrigen Truppen, d. h. denGarden, dem Korps Lobau und der Kavallerie von Pajol undMilhaud Ney zu Hilfe eilen, der erneuten Befehl zum Angrifferhalten hatte. Gegen 12^ Uhr stieg Napoleon in den Wagen undfuhr zu Ney hinüber.

Die Fühlung mit dem Blücherschen Heere bei Wavre gingverloren. Damit aber wurde auch die Möglichkeit der siegreichenVollendung des ganzen Feldzuges aus der Hand gegeben. DerPlan des Kaisers, seine Feinde getrennt zu halten und sie ver-einzelt zu schlagen, ist um diese Zeit bereits als gescheitert anzu-sehen. Blüchers Vereinigung mit Wellington hing nur noch vomguten Willen des Feldmarschalls ab, und diesem fehlte es daranwahrlich nicht. Die wiederholten Zeitversäumnisse, die Langsam-